Amerikas Krieg gegen Deutschland

„Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ (Friedrich Schiller, Fiesco)

Der Krieg rund um den Donbass ist nicht nur ein Ringen zwischen Russland und der Ukraine. Auf einer weniger augenfälligen zweiten Ebene spielt sich hier auch ein Krieg ab zwischen den USA und Deutschland. Vielleicht geht es sogar vor allen Dingen um uns und das Drumherum ist letztlich nur eine so zynische wie grausame Show. Eine solche Behauptung bedarf freilich der nachvollziehbaren Erklärung.

Es fängt schon damit an, dass die Biden-Administration im aktuellen Konflikt durchaus beide Seiten, nämlich sowohl Kiew als auch Moskau unterstützt und somit den Krieg stetig unter Feuer hält. Der Vorgang erinnert ein bisschen an die Iran-Contra-Affäre. Mitte der 1980er Jahre lieferten die USA heimlich Waffen an das feindliche Mullah-Regime, obwohl offiziell den Irak unterstützend, um mit den Einnahmen die antikommunistischer Milizen in Nicaragua zu finanzieren.

Heute gestattet man in Washington dem Iran trotz aller Sanktionen großzügig die Lieferung von Shahed-136-Drohnen nach Russland und hofft im Gegenzug auf Zugeständnisse Teherans bei den Atomverhandlungen, aus denen der frühere US-Präsident Trump 2018 ausgestiegen war. Wie schon so oft zuvor achten die USA zuvorderst immer erst auf die eigenen geostrategischen Interessen, ohne sich selbst dabei irgendwelche moralischen Schranken aufzuerlegen.

Wir sollten uns folglich von dem Gedanken trennen, es ginge in dem besagten Krieg um das vordergründig Offensichtliche, nämlich die Freiheit der Ukraine. Tatsächlich sind die Vorgänge dort nur ein weiterer Baustein im avisierten Gesamtkonstrukt einer Neuordnung der Welt. Taiwan wird der nächste Schritt in diese Richtung sein. In diesem laufenden Prozess soll indes auch Deutschland ein neuer Platz zugewiesen werden, den wir freiwillig wohl niemals einnehmen würden, es sei denn, auf der Klaviatur des deutschen Schuldkomplexes wird dazu ein wohlklingender Soundtrack der Moral gespielt.

Der Lauf der Geschichte schlägt viele unerwartete Volten. Wer weiß das besser als wir Deutschen? Ausgerechnet den Sowjets unter Stalin verdanken wir unseren Fortbestand als Nation nach dem Zweiten Weltkriege, wenngleich für vierzig Jahre in Form von zwei Staaten. Freilich hätten die Westalliierten einer Wiederauferstehung Deutschlands nach 1945 niemals zugestimmt, wenn das dann als BRD firmierende Gebilde nicht unmittelbar an der Grenzlinie zum “Reich des Bösen” (Reagan), also zum Machtbereich Moskaus, gelegen hätte.

Westdeutschland hatte fürderhin zwei Rollen zu spielen und musste dafür möglichst schnell zu alter wirtschaftlicher wie militärischer Größe zurückkehren. Gleiches galt selbstredend auch für die DDR, obschon unter den Bedingungen des Sozialismus derlei nur mit Mühe und unzureichend gelang. Einerseits sollten beide deutsche Staaten diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs einen hochgerüsteten Cordon sanitaire für ihre jeweilige Lehnsmacht bilden. Zweitens kam sowohl der Bonner Republik wie auch dem SED-Staat die Aufgabe eines Schaufensters in die jeweils entgegengesetzte Richtung zu. Beide Länder sollten wechselseitig die Überlegenheit des durch sie repräsentierten Systems zum Ausdruck bringen.

Der DDR gelang das nie so recht und trotzdem war sie unter allen Ostblockstaaten die zumindest nach außen hin erfolgreichste Version des Sozialismus. Die Bundesrepublik West hingegen blieb stets der Sehnsuchtsort hunderttausender Bewohner des sogenannten Arbeiter- und Bauernstaates. Die im innerdeutschen Wettbewerb wie in einem Brennglas zusammenströmende offensichtliche Überlegenheit des Westens trug letztlich entscheidend zu Delegitimierung und Scheitern des marxistisch-leninistischen Gesellschaftsexperiments bei. Vorerst zumindest.

An diesem Punkt hatte Deutschland – Ost wie West – seine Schuldigkeit eigentlich getan. Für die Sowjetunion allemal, weswegen man die DDR auch aus einem Mangel an geeigneten Perspektiven ohne großes Zögern Helmut Kohl überließ. Wäre Gorbatschow ein strategisch denkender Politiker mit visionärer Weitsicht gewesen, hätte er Ostdeutschland niemals hergegeben. In Washington war man schlauer. Aus blankem Eigennutz unterstützte George Bush die Wiedervereinigung als einziger westlicher Regierungschef von Anfang an und drängte Thatcher und Mitterand dann in die gleiche Richtung.

Noch endeten NATO und EWG nämlich an der Elbe (nach dem 3. Oktober 1990 an der Oder-Neiße-Linie) und niemand wusste seinerzeit genau, was aus Osteuropa werden würde. Länder wie Polen, die baltischen Republiken, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien lagen wirtschaftlich darnieder, waren auch politisch äußerst instabil. In Jugoslawien lief alles auf einen Bürgerkrieg hinaus. Noch also wurde ein starkes Deutschland in der Mitte Europas aus geostrategischer Sicht der USA durchaus gebraucht.

Inzwischen hat sich das endgültig geändert. Deutschland war und ist als dritt- bzw. viertstärkste Wirtschaftsmacht der Welt für die Vereinigten Staaten nicht mehr tragbar, schon gar nicht, wenn sie unter den wachsenden Einfluss Chinas gerät. Jedem hätte das auffallen können, als Donald Trump in seiner Inaugurationsrede vor dem Capitol in Washington am 20. Januar 2017 die Deindustrialisierung seines Landes beklagte und eine Wiederbelebung des sogenannten “Rust Belt”, mithin des größten aber im Niedergang befindlichen Industriereviers der USA beschwor. Einstweilen hatte die Begeisterung für den schrulligen Milliardär den Blick vieler deutscher Patrioten arg getrübt. Erst seit der verkappte Marxist Joe Biden im Oval Office sitzt, beginnt sich das zu ändern. Leider zu spät.

Eine Reindustrialisierung der Vereinigten Staaten kann freilich nur gelingen, wenn im Gegenzug in Europa entsprechend Industrie abgebaut wird. Deswegen bekämpfte Donald Trump von Beginn an die Gaspipeline Nord Stream 2 und initiierte ein für die deutsche Seite schockierendes, jedoch für die US-Amerikaner durchaus logisches Sanktionsregime. Ohne billiges Gas aus Russland ist der Industriestandort nämlich kaum überlebensfähig. Erstaunlicherweise wusste sich vor allem die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf bemerkenswert clevere Weise zu wehren und hob die sogenannte Klimaschutz-Stiftung aus der Taufe, vermittels derer man die Strafmaßnahmen von Übersee zu umgehen hoffte.

Just in dieser Gemengelage brach der Krieg zwischen Russland und der Ukraine aus. Kurz vorher hatte Joe Biden in Gegenwart von Kanzler Scholz angekündigt, den Nord Stream-Pipelines ein Ende zu machen, sollte Putin im Nachbarland einmarschieren. Genau das geschah wenige Wochen nach dem Besuch des deutschen Regierungschefs in Washington. Erwartungsgemäß ging die Gasleitung quer durch die Ostsee nie in Betrieb. Wohl damit sich das nicht ändert, wurden beide Nord Stream-Rohre nahe Bornholm von unbekannter Seite Ende September gesprengt. Innert kürzester Zeit geriet die stärkste Wirtschaftsmacht Europas in eine existenzgefährdende Energiekrise und hat – freilich auch durch eigenes Verschulden – eine massive Deindustrialisierung zu gewärtigen und zwar zugunsten der USA.

Böse Zungen spotten, der berühmt-berüchtigte Morgenthau-Plan würde nun mit knapp achtzig Jahren Verspätung umgesetzt. Jenes Konzept war in alliierten Kreisen am Ende des letzten Weltkrieges durchaus ernst gemeinter Gegenstand von Diskussionen darüber, wie mit dem Deutschen Reich nach dessen Kapitulation zu verfahren sei. Henry Morgenthaus Idee sah einen Rückfall Deutschlands in eine Art vorbismarcksche Kleinstaaterei bei einer gleichzeitigen Deindustrialisierung vor. Ziel wäre ein jeder ökonomischen Potenz beraubtes, importabhängiges Agrarland gewesen, dessen Bewohnern man sogar das Tragen von Uniformen verbieten wollte. Keine rosigen Aussichten, hätte Washington die Deutschen unerwarteterweise nicht doch noch gebraucht als Bollwerk gegen die “asiatischen Steppe” (Goebbels).

Das ist nun endgültig vorbei – nota bene auch und vor allem durch der Deutschen höchsteigenes Verschulden. Die Rolle des Schutzwalls wider den russischen “Hunnensturm” hat inzwischen Polen eingenommen. In Warschau betreibt man seit Jahren mit US-amerikanischer Unterstützung eine massive Aufrüstung. Gerade erst im Juli hat die Morawiecki-Regierung für insgesamt 6 Milliarden Dollar 48 Flugzeuge, 1.000 Panzer und über 600 Haubitzen in Südkorea geordert – wohlgemerkt nicht bei deutschen Unternehmen. Auch ökonomisch wird unser ehemals verlachter Nachbar innert des nächsten Jahrzehnts Deutschland überholen und perspektivisch zur stärksten Wirtschafts- und Militärmacht Europas heranwachsen. In diesem Zusammenhang ist es kein Zufall, dass ausgerechnet an jenem Tag, da der Anschlag auf Nord Stream geschah, eine Gaspipeline von Norwegen über Dänemark nach Polen eröffnet wurde. Ferner passen dazu auch die ausgerechnet jetzt von Warschau erhobenen exorbitanten Reparationsforderungen an eine Bundesregierung, deren Erscheinungsbild die Zukunft Deutschlands vorwegnimmt: schwach und ohne jeden Selbstbehauptungswillen.

Von proatlantischen Kriegshetzern zwischen alle Stühle manövriert und mit der AfD als außenpolitisch keinesfalls ernst zunehmender Opposition, die mit ihrer infantilen und neuerdings auf Putin umgelenkten Trump-Begeisterung wenigstens indirekt zur aktuellen Lage beigetragen hat, wird die Bundesrepublik mit rasender Geschwindigkeit bestenfalls als Schwellenland auf dem Niveau Argentiniens enden. Übrigens gehörte der südamerikanische Staat bis etwa 1950 zu den reichsten Ländern der Erde. Heute ist Argentinien nur noch ein von wirtschaftlichen und politischen Krisen geschüttelter Schatten seiner selbst.

Fazit: Je länger der von allen Seiten befeuerte Krieg in der Ukraine währt, desto schwächer wird Deutschland. Und das ist so gewollt – in Washington allzumal, aber auch in Moskau und Peking sowie nicht zuletzt von der grünen Klimasekte als Fünfter Kolonne klandestiner Konstrukteure einer neuen Welt. Deutschland soll fürderhin jenes Schicksal erleiden, das ihm bereits vor 80 Jahren zugedacht war. Geschieht also kein Wunder, werden wir bald in der Pampa leben.

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3 Kommentare zu „Amerikas Krieg gegen Deutschland“

  1. Holger, die Altstalinisten bezichtigen die USA- Yankies der Sprengung der Ostsee-Pipeline! – – –
    Wer sonst, als die Ukraine hat ein Interesse daran, das Gas-liefernde Rußland auf Dollar, Euro oder Rubelbasis durch Unterbrechung zu schädigen? – – – Und ist nicht der engste Ukraine-Freund Polen – als russischer Erzfeind-
    dazu mit seiner stolzen Marine logistisch besonders geeignet?. . . Zumal es seine eigene Gasline gerade von Norwegen aus über DK zu sich verlegt hat? Rußland möchte gewiß bald wieder über die deutsch-russische Milliarden-Investitiion Gaslieferung anbieten.
    Die naiven US-Boys dazu zu verdächtigen, halte ich für ziemlich absurd.
    Dr. Horst Grünwoldt, Rostock

    1. Danke für den Kommentar. Ich habe selbst ja niemanden konkret der Sprengung der Pipeline bezichtigt. Und tatsächlich hielte ich Polen für einen der Hauptverdächtigen. Durchaus möglich, dass die USA das Knowhow beigesteuert haben. Fakt ist, Deutschland steht ziemlich alleine da und hat überdies eine Regierung, die alle möglichen Interessen vertritt, nur nicht die des eigenen Volkes.

  2. ‘Deutschland ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Subjekt, also kein souveräner Akteur im planetarischen Maßstab, und das als EU falsch aufgesattelte Europa auch nicht.’

    Götz Kubitschek
    Dezember 2022

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