Zurück in die Zukunft – Deutschlands Weg in den Sozialismus

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Eine Mietpreisbremse ist die effektivste derzeit bekannte Methode, um eine Stadt zu zerstören – von Bombardements einmal abgesehen.“ (Assar Lindbeck – schwedischer Ökonom)

Neulich war ich im Ostseebad Dierhagen und bin auch an jenem Haus vorbeispaziert, in dem Egon Krenz seit vielen Jahren lebt. Der letzte Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR ist inzwischen 82 Jahre alt. Bevor er sich zum Kronprinzen Erich Honeckers hochgedient hatte, war Krenz Chef der Freien Deutschen Jugend (FDJ), des einzigen und daher allgegenwärtigen Jugendverbandes in der SED-Diktatur. Man sprach auch von der „Kampfreserve der Partei“. Das ist jetzt bald 30 Jahre her. Fast alle der einstmals führenden Genossen sind unterdessen verstorben. Kein Wunder. Schon als sie noch von den Tribünen ihres kleinen Reiches herabwinkten – stets in lebensbejahendes Mausgrau gehüllt – waren sie Greise und standen im Verdacht, die Welt um sich herum nicht mehr so recht zu verstehen. Krenz mit seinen Anfang 50 galt in dieser Runde als Jungspund und somit Hoffnungsträger. Seit 2003 wohnt er in seiner alten Datsche und schreibt Bücher. Kein allzu übler Lebensabend.

Da stand ich also an diesem Häuschen hinter den Dünen und fragte mich, was Egon Krenz wohl über all die aktuellen Vorgänge in Deutschland denken mag. Fühlt er sich an die FDJ erinnert, wenn zigtausende Jugendliche auf die Straße gehen und die Politik der Regierung nicht nur unterstützen, sondern lauthals eine noch härtere Gangart fordern, um die historische Mission dieses Landes möglichst bald zu vollenden? Empfindet Krenz auch Genugtuung, wenn er von den angestrebten Enteignungen der privaten Wohnungsgesellschaften liest? Immerhin wird er sich noch erinnern, wie es Anfang der 1950er Jahre war, als im Zuge der „Aktion Rose“ entlang der Ostseeküste private Hotelbetriebe massenhaft zwangsweise verstaatlicht wurden. Die offizielle Begründung war dieselbe wie heute. So schrieb die Ostsee-Zeitung am 17. März 1953: Wir stellen vor: Schieber unter sich. Fröhliche Feste mit reich gedeckten Tafeln, voller Sekt und Champagner bis zum Überfluß, waren bei ihnen nicht selten. So gefiel ihnen das Leben. Und dafür konnten die Hausangestellten zehn bis zwölf und noch mehr Stunden am Tage arbeiten“

Ich unterstelle, dass Egon Krenz aus der Geschichte nichts oder nicht viel gelernt hat. Seine Bücher sprechen für diese Vermutung. Darum dürfte er sich aller Wahrscheinlichkeit nach über die erwähnten Vorkommnisse nicht ärgern, sie eventuell sogar begrüßen als Zeichen dafür, dass der Sozialismus am Ende des Tages doch siegen wird. Davon scheint auch der Schauspieler Peter Sodann auszugehen. In einem Interview am Rande der Leipziger Buchmesse bemerkte er listig, das gegenwärtige System sei nur der „angebliche Sieger“ der Geschichte, da uns die Zukunft noch bevorstünde. Sodann geht also davon aus, dass es dereinst zu einer Umkehr des Verlierer-Sieger-Verhältnisses kommen könnte. Mitnichten sind das die absurden Wunschträume der Fossilien eines gescheiterten Gesellschaftsexperiments, dem bis heute weltweit 70 bis 100 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Weder Krenz noch Sodann als bekennenden Fans des SED-Staates müssen sich als Verlierer der Geschichte fühlen, wenn selbst die Neue Zürcher Zeitung den nördlichen Nachbarn auf dem Weg zum Sozialismus sieht.

Gustave Le Bon beschreibt in seinem wegweisenden Buch „Die Psychologie der Massen“ den Fall eines Lynchmordes im 1870/71 von deutschen Truppen belagerten Paris. Ein Mann wurde mitten in der Nacht von einer aufgebrachten Menschenmenge aus seiner Wohnung gezerrt und aufgehängt. Er habe, so hieß es, mit einer Kerze dem Feind irgendwelche Zeichen geben wollen. Tatsächlich hatte der arme Kerl in seiner Unbedachtheit eine Kerze ins Fenster gestellt. Da er aber in einem unteren Stockwerk wohnte, wäre es für die Deutschen unmöglich gewesen, das Licht zu erkennen. Der Irrsinn war offensichtlich für jedermann. Dennoch ließ sich der wütende Mob nicht davon abbringen, den angeblichen Verräter zu lynchen. Le Bon wollte mit diesem Ereignis illustrieren, wie einfach es ist, den Menschen, vor allem, wenn er in Massen auftritt, noch vom offensichtlichsten Wahnsinn zu überzeugen. Die massenpsychologischen Mechanismen, welche einst Hitlers Siegeszug bis hinein in den Untergang ermöglichten, die Stalins und Maos blutige Herrschaft überhaupt erst realisierbar werden ließen, sind auch in unserer Zeit extrem wirksam.

Über Jahrzehnte wurde der soziale Wohnungsbau vernachlässigt bzw. die Errichtung von günstigem Wohnraum immer mehr erschwert durch ständig neue Vorschriften und Regularien. Gerade werden mitten in der Rostocker Altstadt abgrundtief hässliche Blöcke hochgezogen, die man getrost als Schandfleck bezeichnen kann. Gleichwohl sind solche Neubauten durch allerlei ökologische Mätzchen inzwischen derart kostspielig, dass architektonische Verschönerungen die neuen Apartments für noch mehr Bürger unerschwinglich machen würden. So ist es allenthalben. Die Verantwortung hierfür trägt der Staat samt der ihn tragenden Parteien. Sie tragen auch die Verantwortung dafür, dass seit 2015 mehr als 2,5 Millionen Migranten nach Deutschland eingewandert sind, die natürlich alle mit Wohnraum versorgt werden mussten. Zusammenfassend lässt sich also konstatieren, dass der Wohnungsbau in den letzten Jahrzehnten immer teurer geworden ist, weswegen viel zu wenig erschwinglicher Wohnraum neu errichtet, gleichzeitig der Bedarf durch die unkontrollierte Massenzuwanderung aber zusätzlich extrem erhöht wurde. Die Schuld dafür den privaten Immobilienunternehmen unterzujubeln, kann durchaus als propagandistisches Husarenstück gewertet werden.

Die Linken sehen in den von ihnen selbst geschaffenen Problemen indes die Einfalltür für eine Umwandlung der Bundesrepublik in einen sozialistischen Musterstaat. „Wer, wenn nicht wir,“ sei laut Robert Habeck in der Lage, der Menschheit das Paradies auf Erden zu bringen? Was hat dieses deutsche Volk aus seiner Geschichte gelernt, wenn es solche Sätze erneut kritiklos hinnimmt, ja bejubelt. Dabei muss doch für jeden klardenkenden Zeitgenossen offensichtlich sein, dass Wohnraummangel und zu hohe Mieten nur ein Symptom sind, für dessen Ursache freilich die Politik selbst verantwortlich zeichnet. Die avisierte Enteignung privater Wohnungsunternehmen darf als weiterer Meilenstein entlang eines verhängnisvollen Weges gelten, auf dem Deutschland schon ein ganzes Stück vorangekommen ist. Auch wenn es schwer fällt zu glauben, aber weder die aktuellen Enteignungsforderungen an die Adresse der Immobilienunternehmen noch die sukzessive Zerschlagung der deutschen Schlüsselindustrien oder die planwirtschaftlich orchestrierte sogenannte Energiewende sollten als Ausdruck von politischem Wahnsinn interpretiert werden. Die dahinter stehenden Kräfte wissen sehr genau, was sie tun.

Die Stunde der Sozialisten, gleich welcher Couleur, hat geschlagen, wenn der marktwirtschaftliche Kapitalismus sein Wohlstandsversprechen nicht mehr einlösen kann. Genau darauf arbeiten die linksgrünen Parteien und ihre Vorfeldorganisationen hin. Unter dem Vorwand von Klima- und Umweltschutz wird der Kapitalismus pausenlos verteufelt. Rational begründen lässt sich diese Haltung freilich kaum. Lebten vor 200 Jahren noch 94 von 100 Menschen weltweit in extremer Armut, sind es heute nur noch 10. Vor 200 Jahren hatten 83 Prozent der Menschen keinerlei Zugang zu Bildung, heute können 85 Prozent der Weltbevölkerung lesen. Wurden vor 200 Jahren 43 von 100 Kindern keine fünf Jahre alt, sterben heute nur noch vier von 100 Kindern vor ihrem fünften Lebensjahr. Der Sozialismus hingegen hat eine solche Erfolgsbilanz nicht einmal annähernd vorzuweisen. Wo immer dieser an die Macht kam, waren Not und Elend sowie politische Unterdrückung die Folge. Millionen Menschen bezahlten die Umsetzung der Ideen von Marx, Engels und Lenin mit dem Leben. Das hält linke Kräfte nicht davon ab, auf diesem Gebiet einen neuerlichen Anlauf in die Wege zu leiten. Dabei lassen sie sich vom marxistischen Diktum leiten, dass die Zeit für eine kommunistische Revolution gekommen sei, wenn die Zinsen gegen null tendieren, es also nicht mehr genug für alle zu verteilen gibt. In einem deindustrialisierten Deutschland wird es wahrlich nicht mehr viel zu verteilen geben. Der deutsch-amerikanische Philosoph und Investor Peter Thiel beschreibt es so:

Solange der Kuchen wächst, gibt es mehr für alle, wenn auch für die einen noch mehr als für die anderen. Wenn der Kuchen nicht mehr wächst, ändern sich die Spielregeln: Was die einen mehr bekommen, erhalten die anderen weniger. Diese Entwicklung birgt unheimliches Konfliktpotenzial. In den USA hatten wir seit der Amerikanischen Revolution ein ziemlich konstantes Wachstum, also über die letzten 250 Jahre. Europa hingegen erlebte in den 1930er Jahren schon einmal eine Phase der Stagnation. Die Institutionen kamen unter Druck, die Demokratie hörte irgendwann auf zu existieren, und es kamen faschistische oder kommunistische Regime an die Macht.“

Das Fazit ist simpel: Wir sollten es nicht noch einmal so weit kommen lassen! Ohne wirtschaftliches Wachstum keine Demokratie. Notwendig ist daher eine klare und unmissverständliche Opposition gegen die sogenannte Energiewende mitsamt Kohleausstieg, gegen planwirtschaftliche Tendenzen in der Automobilwirtschaft und erst recht gegen jede Form von Enteignungen, also gegen den Sozialismus als solchen, wo auch immer er sein Haupt erhebt.

 

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