Das konservative Argument für Umweltschutz

In einem Beitrag für die in Salt Lake City, Utah, erscheinende Tageszeitung Deseret News erläutert der US-amerikanische Aktivist Benji Backer von der American Conservation Coalition (ACC), warum es dringend eines konservativen Ansatzes in der Umwelt- und Klimapolitik bedarf. Ich habe seinen lesenswerten Text aus dem Englischen übersetzt, um ihn hier in meinem Blog zur Diskussion zu stellen.

Zu Füßen der Book Cliffs Mountains liegt eine an Bodenschätzen reiche Landschaft, die als Utahs Kohlengrube bekannt ist. Die Region, welche die Counties Emery und Carbon umfasst, beherbergt drei der verbliebenen Kohlekraftwerke des Bundesstaates. Es ist ein Ort, an den sich bislang nur wenige Naturschützer gewagt haben.

Doch als Umweltaktivist bin ich kürzlich in Utahs Kohlengrube gereist und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger oder um über Treibhausgase zu referieren. Nein, ich bin dorthin gegangen, um das Leben in den Gemeinden, die von der Kohle abhängig sind, besser zu verstehen. Und was ich dabei wiederentdeckte, war die dringende Notwendigkeit eines konservativen Ansatzes für Umweltschutz.

Ich stimme Ronald Reagan zu: “Was ist schließlich ein Konservativer anderes als einer, der bewahrt, einer, der sich dafür einsetzt, die Dinge, von denen wir leben, zu schützen und an ihnen festzuhalten.”

Und auf praktischer Ebene: Wenn nicht die Republikaner Fragen zum Naturschutz und zur Verantwortung für die Erde beantworten oder über Luftqualität und Wasser, wenn es um öffentliches Land und Nachhaltigkeit geht, dann werden es vor allem die Demokraten sein, welche die Diskussion dominieren. Konservative Bürger in Gegenden wie Emery und Carbon County, die durchaus ein Teil der Lösung sein wollen, werden ausgeschlossen.


Als ich mit Michael Kourianos, dem Bürgermeister der Gemeinde Price, sprach, bemerkte er, dass ich einer der wenigen auf nationaler Ebene aktiven Umweltschützer bin, die sich die Zeit für einen Besuch genommen haben. Der Bürgermeister beschrieb mir gegenüber die Bereitschaft und Offenheit seiner Leute, an umweltorientierten Projekten mitzuarbeiten. Das Problem, glaubt er, ist freilich, dass nur sehr wenige Gruppen oder Politiker, deren Ziel es letztlich ist, mit dem Kraftwerk den größten Wirtschaftsmotor der Stadt dicht zu machen, überhaupt jemals mit ihnen reden wollen.

Die Menschen in der Region, sagt er, wollen durchaus ihr Wissen und ihre Expertise auf innovative Weise nutzen, um eine Abkehr von der Kohle zu unterstützen. Sie wissen, dass ihr Know-how in einer Welt nützlich sein könnte, in der Länder wie China die Kohleproduktion weiter steigern, sie aber weiterhin die Emissionen minimieren müssen. Für den Bürgermeister scheint es jedoch, als würde ihnen niemand zuhören.

Das San Rafael Energy Research Center ist nur ein Beispiel. Obwohl die von Kohlekraftwerksmitarbeitern gegründete Einrichtung sich darauf spezialisiert hat, innovative Wege für eine emissionsarme Nutzung von Kohle zu finden, hat dieses Energieforschungszentrum bis anhin nur wenig Bekanntheit über Utahs Grenzen hinaus erlangt. Zum Beispiel testet man dort, wie Kohle für Atomkraft oder ein emissionsarmes Gas genutzt werden könnte. Derlei geschieht im ganzen Bundesstaat, wo einige Kohlekraftwerke in den kommenden Jahrzehnten sogar auf 100% grünen Wasserstoff umstellen wollen.

Dennoch werden diese Bemühungen weiterhin verteufelt und totgeschwiegen, eben weil viele Umweltschützer sich weigern, sie als Teil der Klimadiskussion zu betrachten. Hunderte von Landkreisen wie Emery und Carbon County werden im ganzen Land ignoriert, und das alles, weil zu viele Umweltaktivisten über Menschen, die sie noch nie getroffen haben, Orte, die sie noch nie besucht haben, und Kulturen, die zu verstehen sie nicht versucht haben, urteilen wollen.

Die Lösung besteht darin, dass sich Konservative stärker in Diskussionen darüber einbringen, wie drängende Umweltprobleme im Westen und darüber hinaus gelöst werden können.

Alle wollen saubere Luft und weniger Emissionen. Die Debatte sollte sich auf die optimalen Wege dorthin konzentrieren. Konservative können genau das tun – und dabei jene ignorierten, ausgegrenzten Kommunen besser vertreten.


Die rechte Seite des politischen Spektrums ist letztendlich die am besten geeignete Adresse für vernunftgemäßen Umweltschutz. Bei Konservatismus geht es schließlich seit jeher um Bewahrung.

Von Teddy Roosevelt, der die Anzahl der Nationalparks verdoppelte, über Richard Nixon, der die Environmental Protection Agency (Nationale Umweltschutzbehörde), die Clean Air and Water Acts und den Endangered Species Act (Artenschutzgesetz) erließ, bis hin zu George H.W. Bush, der mehr öffentliche Ländereien unter Schutz stellte als jeder andere Präsident in der jüngeren US-Geschichte, ist das konservative Umweltvermächtnis beträchtlich. Wie der Präsidentschaftshistoriker Craig Shirley betont, war es Ronald Reagan, der mehr „Bundesgesetze über den Schutz der Umwelt in Kraft gesetzt hat als jeder andere Präsident seit der Verabschiedung des Wilderness Act im Jahr 1964“.

Aber es sind nicht nur konservative Regierungsakteure, die ökologische Anliegen vorantreiben. Der Wettbewerb innerhalb der Automobilindustrie um leichtere Fahrzeuge mit effizienteren Motoren hat erheblich zu geringeren Emissionen beigetragen. Dies hat ein buchstäbliches Elektroauto-Rennen beflügelt, bei dem General Motors plant, bis 2035 keine Verbrennungsmotoren in seinen neuen Fahrzeugen zu installieren – ein sehr ehrgeiziges Ziel, das mehr von Marktkräften als von staatlichen Maßnahmen getrieben wird. Dies ist eines von vielen Beispielen dafür, wie freies Unternehmertum und Einfallsreichtum (von Natur aus konservative Prinzipien) zu immensen ökologischen Fortschritten geführt haben.

Es gibt starke Anzeichen dafür, dass auch konservative Politiker ihren Platz am Konferenztisch der Umweltschutzdebatte zurückerobern. Nehmen Sie zum Beispiel die Kongressabgeordneten der Republikaner aus Utah. John Curtis – der mich freundlicherweise durch die Energieproduktionsanlagen seines Distrikts geführt hat – ist einer der zukunftsweisendsten Vordenker in diesem Bereich. Er hat vor kurzem den Konservativen Klima-Ausschuss ins Leben gerufen, dem etwa ein Drittel der Fraktion der Republikaner im nationalen Parlament angehören. Der neu gewählte Blake Moore steht bereits an der Spitze einer vernünftigen Waldbewirtschaftungspolitik und ist selbst Mitglied des Konservativen Klima-Ausschusses. Burgess Owens und Chris Stewart gehören ihm ebenfalls an.

Schließlich leben Konservative oft in Gebieten, die von der Klima- und Umweltpolitik aus Washington am stärksten betroffen sind – als Landwirte, Viehzüchter, Energieproduzenten, Förster und Naturliebhaber. Freilich liegt uns Konservativen die Umwelt sehr am Herzen, aber wir haben die Ideologisierung des Umweltschutzes satt. Das Gespräch hat sich anscheinend von faktenbezogenen, greifbaren Umweltthemen zu einer höchst abstrakten globalen Debatte verlagert mit Lösungen, die für viele bedrohlich totalitär daherkommen.

John Kerry, der „Klima-Zar“ von Präsident Joe Biden, ist ein Beispiel dafür, was an diesem Ansatz falsch ist. Die meisten Leute wie Kerry (stolzer Besitzer seines eigenen, oft genutzten Privatflugzeugs) nehmen sich nicht die Zeit, traditionelle Energieanlagen zu besuchen, mit betroffenen Arbeitnehmern zu sprechen oder zu verstehen, wie sehr diese in ihrem Privatleben auf derlei Wirtschaftsstandorte angewiesen sind.

Trotz der Frustration gehören die Menschen in Carbon County und Emery County zu den leidenschaftlichsten Menschen, die ich je getroffen habe, wenn es um die Liebe zur Umwelt geht. Sie leben und atmen eine herrliche Natur, die sie allerorten umgibt – wie zum Beispiel der San Rafael Swell, eine geologisch faszinierende Felsenregion in Zentral-Utah.

Im wahrsten Sinne des Wortes sind diese Menschen echte „Umweltschützer“. Sie kümmern sich um ihren Lebensraum, insbesondere um die Natur hinter ihren eigenen Häusern, aber sie möchten auch ihre Familien ernähren können und nicht dafür verteufelt werden, in einer Branche zu arbeiten, in der sie unbeabsichtigt negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Sie wollen nicht nur Teil der Lösung sein, sondern diese auch aktiv mitgestalten.

Wir brauchen konservative Leute, wie es bereits viele gibt in den Landkreisen Carbon und Emery, die sich an der Diskussion beteiligen. Wenn nicht, werden die Millionen Menschen im ländlichen, konservativen Amerika ihren Platz in der Umweltdebatte an einige wenige links dominierte Metropolen verlieren – und speziell an die Bundesregierung in Washington.

Erschwerend kommt hinzu, dass die daraus resultierende Politik – wie der Green New Deal – jenen Kommunen eher schaden wird, denen die Umwelt tatsächlich am Herzen liegt.

Die Bedrohungen für die Umwelt sind real – wir sehen uns einem dramatischen Anstieg der globalen CO2-Emissionen gegenüber, unsere durch Waldbrände beeinträchtigte Luftqualität macht den Westen der USA weniger gastfreundlich und Dürren verursachen eine immense Wasserknappheit. Da wir diese und viele andere Probleme in den letzten Jahrzehnten durchaus wahrgenommen haben, konnten wir viel über die Ursachen lernen. Einer der Elefanten im Raum ist die Tatsache, dass die Kohlenstoffproduktion auf negative Weise zu einigen der schwerwiegenden Umweltprobleme unserer Welt beigetragen hat.

Aber anstatt solche Regionen zu verteufeln, die sich nur schemenhaft dessen bewusst waren, dass die auf ihrem Gebiet stattfindende Produktion von erschwinglicher, reichlich vorhandener Energie zu Umweltproblemen beitragen würde, sollten wir ihre Talente, ihren Erfahrungshintergrund und ihre Intelligenz nutzen, um Lösungen für die nächsten Generationen zu entwickeln. Denn um komplizierte Umweltprobleme zu lösen, brauchen wir vielfältige Ansätze und sachkundige Stimmen.

Hier kommt das notwendigerweise stetig wachsende Umweltengagement der Konservativen ins Spiel.

Erstens müssen die Konservativen der „Umwelt“ in der „Umweltpolitik“ wieder zu ihrem Recht verhelfen. Wir sollten die Bewegung sein, die sich auf messbare Erfolge vermittels tatsächlich funktionierender Maßnahmen konzentriert und nicht darauf, was in einem 10-Sekunden-Statement im Fernsehen am besten klingt.

Zweitens müssen wir uns vernetzen und eine authentische Liebe zu unserer lokalen Umgebung vermitteln. Die Menschen kümmern sich mehr als alles andere um ihren eigenen Garten und wissen sehr viel darüber. Daher sollten Umweltlösungen von Einheimischen kommen. Um dies zu erreichen, können wir die Umweltdiskussion humanisieren, indem wir verstehen, woher die Menschen kommen – im Hinblick auf das geografische Gebiete, die ethnischen Hintergründe und politischen Standpunkte.

Drittens müssen wir die Umweltbewegung der Zuversicht sein und nicht der Verzweiflung. Die Lösung von ökologischen Herausforderungen wird von lokalen Naturschutzprojekten, aufregenden neuen Technologien, der Schaffung von Arbeitsplätzen und einer allgemeinen Verbesserung der Gesellschaft ausgehen. Das ist der konservative Weg: nach Innovationen und Lösungen für schwierige Probleme zu suchen, anstatt ein Narrativ von Verzweiflung, Untergang und Sinnlosigkeit zu verbreiten, um den Wählern über das schlechte Gewissen eine bestimmte Umweltpolitik aufzunötigen.

Schließlich sollten wir stets die Kraft sein, die amerikanische Interessen an die erste Stelle setzt. Die Vereinigten Staaten haben für die letzten Jahrzehnte die beeindruckendste Umweltbilanz aller Nationen vorzuweisen. Es ist uns gelungen, die innovativsten Lösungen zu schaffen, den Schutz unserer Umwelt konsequent zu erhöhen und im ökologischen Fortschritt weltweit führend zu sein. Je erfolgreicher Amerika ist, desto besser ist das für die Umwelt.

Die meisten Umweltschützer pflegen Landkreise wie Carbon und Emery County als Feinde zu betrachten. Das darf nicht passieren. Aber um das zu ändern, brauchen wir eine schlagkräftige konservative Umweltbewegung.

Ich bin ein Konservativer, der gleichzeitig auch ein leidenschaftlicher Naturschützer ist. Da ich wusste, dass diese beiden Bereiche in unserer politischen Landschaft oft uneins waren, gründete ich 2017 mit meinen Kollegen eine gemeinnützige Organisation, die American Conservation Coalition (ACC). Ende 2019 sagte ich als konservative Alternative neben der Klimaaktivistin Greta Thunberg vor dem amerikanischen Kongress aus. Das war die erste Gelegenheit für unsere Organisation, der Welt zu zeigen, wie konservativer Umweltschutz aussehen kann.

Ich habe einen Hoffnungsschimmer erlebt, dass Konservative die Umweltdiskussion, die sie einst selbst anstießen, wieder aufnehmen können. Wir sind die Partei, der die Natur schon immer viel bedeutet hat. Es ist also höchste Zeit, die leidige Geschichte aus der Welt zu schaffen, wir wären diejenigen, die sich nicht um den Schutz der Umwelt kümmern würden.

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