18 Prozent oder Abendgebet in Bellevue

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Drei Jahre vor der ersten sogenannten Flüchtlingskrise veröffentlichten die beiden renommierten Journalisten Andreas Rinke und Christian Schwägerl (Spiegel, FAZ, SZ u.a.) ein aufsehenerregendes Buch mit dem Titel „11 drohende Kriege“. Darin entwerfen sie verschiedene Szenarien für den Ausbruch globaler Kriegsereignisse. Das Werk ist fürwahr beängstigend und wurde vom Verlag mit dem Hinweis beworben, man solle es besser nicht lesen, wenn man fortan noch ruhig schlafen möchte. Unter anderem werden auch Migrationsbewegungen als Grund für einen künftigen Krieg in Betracht gezogen. Die Autoren entwickeln in dem entsprechenden Kapitel eine wahrhaft dystopische aber nach allem, was wir in den letzten Jahren erleben mussten, keineswegs unrealistische Vision von Europas nicht allzu ferner Zukunft.

Die sieht folgendermaßen aus: Die EU besteht nur noch aus dem Teil Europas, der nördlich der Alpen liegt und schottet sich gen Süden mit einem gigantischen Grenzwall ab. Die Mittelmeerländer wurden komplett aufgegeben und sind zu riesigen Elendsquartieren verkommen, wo Millionen Migranten aus Afrika und anderen Teilen der Welt herumlungern und auf streng reglementierten Einlass in das nun Nordeuropäische Union (NEU) heißende Gebiet hinter den mächtigen Befestigungsanlagen hoffen. Die jenen vorgelagerte Sicherheitszone ist indes Schauplatz eines permanenten Krieges, den Frontex gegen Schlepperorganisationen führt, welche sich zu regelrechten Armeen gemausert haben, die mit schwerem Belagerungsgerät die Grenzanlagen zu durchbrechen versuchen, um den im Hintergrund wartenden Migranten einen Zugang nach Norden zu ermöglichen. Die Abwehrschlacht ist auf Dauer freilich aussichtslos, weil die „unschönen Bilder“ der Öffentlichkeit irgendwann nicht mehr zumutbar sind, diese zu der notwendigen Brutalität eines solchen Überlebenskampfes in letzter Konsequenz nicht fähig und überhaupt des dauernden Kriegszustandes an den Außengrenzen der NEU allmählich müde ist. Am Schluss steht das Ende der europäischen Zivilisation.

Was 2012 bei den Lesern des erwähnten Buches vielleicht ein Gruseln hervorrief, scheint inzwischen sukzessive Realität zu werden. Die EU wird buchstäblich angegriffen. Hunderttausende Migranten – von nicht wenigen Europäern als Invasoren wahrgenommen – versuchen mit teilweise brutaler Gewalt die Grenze zwischen der Türkei und Griechenland am Fluss Evros zu durchbrechen. Auf der anderen Seite hat die Regierung in Athen ihre Grenzpolizei und inzwischen wohl auch schon das Militär aufgefahren, um das eigene Land zu verteidigen. Die Griechen zeigen, wie es geht und versuchen, ihre Grenzschützer zu unterstützen, wo es nur geht. Bewohner der umliegenden Gemeinden versorgen sie mit Essen und Geschenken, vor allem aber mit moralischem Beistand. Die Griechen wissen, was auf sie zukäme, würden die Dämme brechen und das ohnehin schon arg gebeutelte Land mit Migranten geflutet.

Während in Griechenland ein ganzes Volk nahezu geschlossen hinter der konsequenten Grenzschutzpolitik der Regierung Mitsotakis steht, geschieht in Deutschland das komplette Gegenteil. Politik, Medien und Öffentlichkeit scheinen aus der Krise von 2015 nichts gelernt zu haben. Anstatt sich wie der österreichische Kanzler Kurz unmissverständlich an die Seite Griechenlands zu stellen, überzieht man die Verantwortlichen in Athen mit arroganter Kritik, fordert gar eine Öffnung der Grenze. Wieder verbreitet die hiesige Presse die Mär von syrischen Familien, dem Kriegsgeschehen um Idlib gerade noch entronnen, zeigt Bilder von kulleräugigen Kindern und weinenden Müttern. Alles Quatsch! Tatsächlich sind an der griechisch-türkischen Grenze mehrheitlich junge, kraftstrotzende Männer aus Somalia, Afghanistan und Pakistan aufmarschiert, die es auf den Wohlstand der Europäer abgesehen haben. Unter ihnen sollen sich auch die von Erdogan freigelassenen Insassen türkischer Gefängnisse befinden. Während die Griechen angesichts all dessen um ihr Überleben kämpfen, fachsimpelt die Regierungspresse des NATO-Mitgliedes Türkei schon mal darüber, wie lange die türkische Armee bräuchte, um Europa zu erobern: „Wenn wir an einem Morgen beginnen, können wir unser Abendgebet im Schloss Bellevue halten“, so die AKP-Zeitung Yeni Söz. Dort würde Frank-Walter Steinmeier wahrscheinlich schon mit Tee und Gebäck warten.

Man mag solche imperialen Phantasien mit der typischen deutschen Überheblichkeit belächeln und wird dabei freilich den wahren Kern übersehen. Die Türken verspotten uns nämlich völlig zurecht, wenn sie behaupten, dass Deutschland von seinen eigenen Bürgern im Stich gelassen wird und diese nicht bereit wären, ihre Heimat zu verteidigen. Yeni Söz beruft sich auf eine Gallup-Umfrage von 2018, derzufolge lediglich 18 Prozent der Deutschen willens sind, für ihr Land zu kämpfen. „Die Europäer“, so höhnt die Erdogan-nahe Zeitung, „haben die weißen Fahnen doch schon längst ausgepackt.“ Ja, das haben sie. Während die Griechen wie in einer Neuauflage der Schlacht an den Thermopylen verzweifelt bemüht sind, die Migranteninvasion abzuwehren, fliegt aus Brüssel Ursula von der Leyen ein, verteilt wohlfeile Ratschläge und hebt mahnend den Zeigefinger wegen der Menschenrechte, wobei unklar ist, ob sie die der Griechen oder die der Grenzverletzer meint. Kurz zuvor hat Angela Merkel mal wieder ein Lebenszeichen von sich gegeben und den Integrationsgipfel im Berliner Kanzleramt moderiert, eine Art Handarbeitszirkel, wo gewissermaßen symbolisch eben jene weißen Fahnen genäht werden. Während der abschließenden Pressekonferenz machte Merkel deutlich, dass sie durchaus bereit sei, die Nummer von 2015 erneut abzuziehen. Grenzen kann man ihrem Diktum gemäß schließlich nicht schützen. Nun, die Griechen versuchen es trotzdem.

In dieser Situation, da Annalena Baerbock von den Grünen bereits fordert, „die Aufnahmekapazitäten für Flüchtlinge wieder hochzufahren“ und neben Atemschutzmasken auch Plüschtiere bald wieder ausverkauft sein werden, fragt man sich, wer oder was uns überhaupt noch retten kann. Die AfD hat sich in eine merkwürdige Defensive zurückgezogen und wartet darauf, dass die CDU sich endlich reformiert, um mit ihr dann regieren zu können. Sollte das nicht klappen, so AfD-Bundestagsfraktionsvize Leif-Erik Holm in seiner unnachahmlichen Art, müsse seine Partei eben selbst zur CDU werden, „so wie sie früher mal war“. Damit das klappt, wird einstweilen versucht, den politischen Gegner davon zu überzeugen, dass die AfD so schlimm ja nicht sei und man sich die ganzen Vorwürfe wegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und so doch zu Herzen genommen habe. Quintessenz diesbezüglicher Äußerungen der AfD-Führung: Wir sind tatsächlich ein bisserl schuld an Hanau. Mea culpa! Ob das die kampfbereiten 18 Prozent sind, von denen die türkische Zeitung sprach?

Nein, so wird das nichts! Aus den Parlamenten heraus wird sich nichts ändern, außer die Beflaggungsvorschriften, damit das Hissen der weißen Fahnen auch rechtskonform abläuft. Entweder der Wille zum Schutz unserer Heimat wird allgemein, erfasst die Massen, entwickelt sich wie in Griechenland zu einer Volksbewegung oder unsere Nation, unsere Kultur und unsere Errungenschaften sind dem Untergang geweiht. So einfach ist das. Machen wir uns also auf und suchen jene 18 Prozent, die bereit sind, für ihr Deutschland zu kämpfen. In Dresden vor der Frauenkirche habe ich neulich eine Menge von ihnen gesehen.

 

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