Wahlanalyse zu Hamburg

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Jubel und Freude in der ARD-Redaktion, nachdem die AfD in der ersten Hochrechnung bei 4,7% lag und damit nicht den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft geschafft hätte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Gegen 21:00 Uhr gab das Landeswahlamt bekannt, dass die AfD mit stabilen 5,3 -5,8% den Wiedereinzug in die Bürgerschaft schaffen wird. Dies ist für das schwierige Pflaster Hamburg durchaus ein Achtungserfolg.

Nur zwei Tage vor dem Wahltermin begann eine unvergleichbare mediale Hetzjagd gegen die AfD und das gesamte patriotische und konservative Milieu. Es war aufgrund der Hamburger Verhältnisse also bereits vor 18:00 Uhr absehbar, dass dieser Abend eine knappe Kiste wird und der Wiedereinzug die entscheidende Zielmarke ist. Zwar gab es prozentuale Verluste von 0,8%, die jedoch eher auf die gestiegene Wahlbeteiligung, im Vergleich zu 2015 zurückzuführen sind. In den absoluten Anteilen gab es nur einen marginalen Verlust von 3.000 Stimmen. Auch die AfD in westdeutschen Bundesländern kann sich also Stammwählerschaften aufbauen und halten.

Was jedoch trotz des erfreulichen Wiedereinzuges nicht aus dem Blick verloren gehen darf ist eine dennoch kritische Analyse. Die Ost-West Differenz in den Zustimmungswerten der AfD kann zwar in vielen Teilen auf soziale, demographische und milieuspezifische Faktoren zurückgeführt werden, doch an diesen Erklärungen darf man nicht stehen bleiben. Schon seit langem herrscht auch innerhalb der AfD ein Konflikt zwischen den West- und Ostverbänden über Performance und Auftreten in der politischen Auseinandersetzung.

Im Osten setzt man auf eine robustere Taktik der Wähleransprache. Klare Kante, sozialpolitische Forderungen, Herausstellen von deutlichen oppositionellen und patriotischen Alleinstellungsmerkmalen. Im Westen läuft die Ansprache eher auf das Prinzip der Bürgerlichkeit, Hineinstoßen in das Vakuum der welches CDU und FDP hinterlassen, rhetorische Abrüstung und Zielgruppenadressierung an die sogenannte „politische Mitte“. Die Kritik der Westverbände: Der Osten unterläuft mit seiner vermeintlichen „Radikalität“ die Strategie des Westens, der in seiner schlichten quantitativen Wählermasse jedoch von entscheidender Bedeutung ist.

Doch schaut man sich auch die Zahlen aus Hamburg etwas genauer, so muss man zu dem klaren Ergebnis kommen, dass eine Wähleransprache an CDU und FDP- Wähler kaum Erfolg hat. Das bürgerliche Profil wird der AfD nicht abgekauft und diese Wählergruppen scheinen auch mit ihrer eigenen persönlichen Lebenssituation zufrieden sein. Die CDU hat in Hamburg massiv verloren. Doch nur 4,8% der CDU- Wähler von 2015 sind zur AfD übergelaufen. Bei der FDP waren es 2,4%. Bei beiden Parteien (CDU u. FDP) ist dies der schwächste Wählerabgang von allen anderen Parteien. Aufschlussreich sind hierbei auch die Angaben zur persönlichen wirtschaftlichen Lebenssituation.

Nur 74% der AfD- Wähler sind mit ihrer persönlichen Lebenssituation zufrieden. Bei der CDU und der FDP sind es Werte über 90%.

Schon diese oberflächliche Zielgruppen- und Wähleranalyse zeigt, dass die AfD nicht um die Stimmen von CDU und FDP konkurriert und diese daher auch nicht zu kopieren braucht. Auch ein Blick in die Wähleranteile nach Berufsgruppen verdeutlicht, dass die AfD in jedem Falle die Interessenvertretung jener Menschen ist, die über viele Jahre geschröpft wurden und den Betrieb dieses Systems durch harte Arbeit am Laufen halten. Unter den Arbeitern liegen die Stimmenanteile bei 14%!

Auch regional werden die stärksten Ergebnisse in den Hamburger Randgebieten eingefahren, die durch Industrie und Plattenbauten geprägt sind. Das urbane Zentrum, wo nur jene Leute leben, die es sich leisten können, wird hingegen von den linken Parteien über SPD, Grüne und Linkspartei dominiert.

Neben den Stammwählern, die auch schon 2015 die AfD gewählt haben, konnten die zweitgrößten Zuwächse aus dem Nichtwählermilieu verzeichnet werden. Wie auch schon bei den ostdeutschen Landtagswahlen im Herbst letzten Jahres, mobilisiert die AfD jene Menschen, die bereits ihre Hoffnungen in die Demokratie aufgegeben haben. Die AfD ist der Demokratiekatalysator. Die ostdeutschen Landesverbände haben diese unausgeschöpfte Masse an Nichtwählern längst als Zielgruppe entdeckt. Hamburg gibt schon einmal einen Ausblick, dass diese Wählerzielgruppe auch für die westlichen Landesverbände von Interesse sein könnte.

Fazit:

Ohne Zweifel kann man die Strategie der ostdeutschen Landesverbände nicht 1:1 auf den Westen kopieren. Doch die Zahlen und Wähleranalysen aus Hamburg geben Indizien dafür, dass der Weg einer CDU 2.0, wie es manchen Funktionären in der Partei vorschwebt, keinesfalls mit Erfolgen verbunden sein wird. Arbeiter, Nichtwähler, Enttäuschte und Leistungsträger, die täglich das Brot auf den Tisch ihrer Familie bringen, scheinen die Kernzielgruppe der AfD zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass man sowohl in der Bundeszentrale und auch in vielen Landesverbänden endlich zu einer intensiveren Analyse und Beobachtung dieser Klientel übergeht.

 

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