Rauswurf von Sayn-Wittgenstein: Warum gerade jetzt?

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Wenige Tage vor den wegweisenden Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg sowie einige Wochen vor der Landtagswahl in Thüringen hat das Bundesschiedsgericht der AfD auf Betreiben von deren Bundesvorstand die schleswig-holsteinische Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Doris von Sayn-Wittgenstein aus der Partei geworfen. Damit wurde ein zuvor gegenteilig ergangenes Urteil des zuständigen Landesschiedsgerichtes kassiert. Ohne auf die eher absurden Hintergründe des Verfahrens eingehen zu wollen, stellt sich freilich die Frage, warum einer vor allem und gerade in Ostdeutschland äußerst beliebten AfD-Politikerin gerade jetzt der Laufpass gegeben wird.

Man fühlt sich prompt an die jüngste Posse der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer erinnert, die zeitlich ähnlich ungünstig den Parteiausschluss des konservativen Zugpferdes Hans-Georg Maaßen aufs Tapet brachte, damit den Wahlkampf ihrer eigenen Partei vorsätzlich sabotierte. Immerhin gilt der ehemalige Verfassungsschutz-Präsident neben dem Politologen Werner Patzelt als einer der ganz wenigen Christdemokraten, die in der Lage wären, der AfD eine nennenswerte Zahl von Wählern abspenstig zu machen. Auch letzterer hat sich nach heftigem Friendly Fire aus den eigenen Reihen resigniert zurückgezogen.

Gleichwohl war dies nicht der Ausrutscher einer überforderten Parteichefin, als welcher die Aktion im Nachgang vielfach interpretiert wurde. Die Sache entsprang stattdessen wohl einem machtpolitischen Kalkül, denn Angela Merkel und ihre linksdrehende Kamarilla haben gar kein Interesse an einem allzu großen Erfolg der sächsischen CDU, würde das doch den Forderungen der sogenannten Werte-Union zusätzliche Legitimität verleihen und den Kurs der Bundespartei einmal mehr in Frage stellen. Ein unterdurchschnittliches Abschneiden der Christdemokraten in Sachsen hingegen könnte dann dergestalt ausgelegt werden, dass mit inhaltlichen Annäherungen an die AfD auch keine Blumentöpfe zu gewinnen sind, mithin Merkels Politik richtig ist.

In der AfD sieht es ähnlich aus. Ein liberal-gemäßigter Bundesvorstand kämpft um die Vormachtstellung seiner Positionen innerhalb der Partei und gerät seitens des rechtspatriotischen sogenannten Flügels um den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke zunehmend in die Bredouille. Ein überragender Wahlsieg der von dessen Gefolgsleuten dominierten ostdeutschen AfD hätte gravierende Folgen für die Machtverteilung innerhalb der Partei, würde den auf Anpassung an das System getrimmten Kurs der Berliner Führung zusätzlichem internen Druck aussetzen. Auf dem kommenden Bundesparteitag der AfD in Braunschweig könnte der so enorm gestärkte Höcke-Flügel den Kurs der Gesamtpartei sehr viel leichter in seinem Sinne beeinflussen.

Das weiß und fürchtet der Bundesvorstand. Was liegt da näher, als aus machtpolitischen Erwägungen heraus den ostdeutschen Wahlkampf der AfD auf den letzten Metern dergestalt zu torpedieren, dass es zwar ein akzeptabler Erfolg wird, jedoch eben nicht so grandios, dass es zu den oben beschriebenen Folgen für die Großkopferten um Gauland, von Storch und Meuthen kommt? Man schmeißt also eine stramm rechtskonservative Protagonistin wie Doris von Sayn-Wittgenstein wenige Tage vor den Urnengängen aus der Partei, wissend, dass dieser Schritt viele patriotisch gestimmte Wähler enttäuschen und von der AfD weg hin zur CDU treiben wird. Am Ende des Tages soll dann die schadenfrohe Feststellung stehen, dass der Höcke-Kurs eben doch kein tragfähiger Erfolgsgarant ist.

Damit dieses infame Konzept nicht aufgeht, kann man den Bürgern in Sachsen, Brandenburg und Thüringen nur umso eindringlicher ans Herz legen, ihr Kreuz unter allen Umständen bei der AfD zu machen.

 

P.S.: Ich darf bei dieser Gelegenheit auch noch auf meine aktuelle Videobotschaft hinweisen, die nach anfänglichen Schwierigkeiten seit gestern auf YouTube online ist.

 

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3 Gedanken zu „Rauswurf von Sayn-Wittgenstein: Warum gerade jetzt?

    1. Ja, leider muss ich erleben, dass das von mir in meinem Buch entworfene Szenario offenbar näher an der Realität ist, als ich seinerzeit dachte. Wahrscheinlich ist das auch der tatsächliche Hintergrund der Rufmordkampagne gegen mich und des darauf folgenden Parteiausschlusses gewesen.

  1. Moin Moin Herr Arppe!

    Hab soeben Ihren Artikel bei „PI“ gelesen. Sieht mir sehr zustimmungsfähig aus.
    Ich bin kein Mitglied der AfD , dachte gelegentlich drüber nach, aber bei solchem Affentheater eher nicht. Wenn Sayn-Wittgenstein in der Sache obsiegt, dann jedoch ganz sicher!

    Aber nun zu „PI“: Die Hetze da gegen Sie war ja zu erwarten. Es ist in der Tat erstaunlich, wie da einerseits gern von „Lügenmedien“ geredet wird, andererseits jeder noch so obskure Mist geglaubt und zitiert wird, bloß weil’s gerade passt.
    Ich halte den Blog für einen „Honigtopf“, der im Übrigen auch ganz gern zensiert, so wie die gescholtenen MSM. Bezeichnend am Rande: die nennen sich „Proamerikanisch und -israelisch“ – gut und schön. Von „Prodeutsch“ steht da allerdings nichts 😉
    Daraus erklärt sich womöglich, daß „PI“ wie ein Gutteil dortiger Leserschaft Probleme mit unvoreingenommener Sachbetrachtung hat, besonders dann, wenn es sich um Geschichtliches handelt.

    Ihnen alles Gute, Gruß aus S-H!

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