TV-Kritik: „Wie weiter, AfD?“ bei COMPACT-TV

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Gestern saß das ganze Elend der AfD bei COMPACT-TV im Studio und wurde von Jürgen Elsässer sowie dessen Mitarbeiter Martin Müller-Mertens zur Auflösung der parteiinternen Strömung „Der Flügel“ befragt. Jens Maier ist Bundestagsabgeordneter der AfD und amtierte bis anhin als sogenannter „Flügel“-Obmann innerhalb des sächsischen Landesverbandes. Um es gleich vorweg zu sagen: Wer es nicht einmal schafft, in einem der AfD nun wirklich absolut wohlgesonnenen Medium wie COMPACT eine halbwegs gute Figur abzugeben, sollte vielleicht doch lieber Briefmarken sammeln.

Maier schaffte es in der knapp einstündigen Sendung nicht, seinen Gastgebern und den Zuschauern zu erklären, warum der „Flügel“ denn nun aufgelöst werden musste. Elsässer und Müller-Mertens sah man ihre Verzweiflung zuweilen regelrecht an. So beschrieb Maier zu Beginn seine und anderer Parteimitglieder Angst vor dem Verfassungsschutz („Wer möchte schon als Verfassungsfeind hingestellt werden?“), um dann im nächsten Satz korrekt darzulegen, dass diese Behörde nicht das Grundgesetz schütze, sondern die herrschenden Eliten. Die Frage, was denn das Verdikt des Verfassungsschutzes unter solchen Umständen überhaupt wert sei, kam Maier nicht in den Sinn. Allerdings erwähnte er fast neidvoll, dass man sich in linken Kreisen über derlei Repressionen eher lustig mache. Das könnte die AfD dann doch auch, oder?

Überhaupt waren die Einlassungen des braven Herrn Maier voller Widersprüche. Einerseits verteidigte er die Selbstauflösung des „Flügels“ als notwendige Reaktion auf den Druck durch den Verfassungsschutz, um etwas später zu behaupten, Höcke habe diesen ohnehin „historisieren“ wollen und sich keineswegs den staatlichen Repressionen gebeugt. Immer wieder scheiterte er auch an der Frage, inwieweit die ganze Aktion der AfD genützt habe, wenn fortan alles noch viel schlimmer werde, denn schon haben Politiker der Regierungsparteien CDU und SPD angekündigt, dass man nun die gesamte AfD in den Schwitzkasten nehmen wolle, um sie am Ende des Tages endgültig zu vernichten.

Besonders irritierend schien mir, dass Jens Maier es nicht über sich brachte, an der AfD-Spitze um Jörg Meuthen auch nur die leiseste Kritik zu üben. Angebracht wäre das allemal gewesen. Selbst die Parteiausschlüsse von Dennis Augustin und Doris von Sayn-Wittgenstein versuchte er schönzureden. Das erinnerte an die Gepflogenheiten in den kommunistischen Kaderparteien des früheren Ostblocks, wo noch die aberwitzigsten Strafmaßnahmen gegen die eigenen Leute mit der Notwendigkeit gerechtfertigt wurden, man müsse um jeden Preis die Einheit der Organisation wahren. Martin Müller-Mertens traf schließlich den Nagel auf den Kopf, als er Maier die Haltung vorwarf, besser mit der Partei irren zu wollen, als gegen sie recht zu haben.

Fazit: Die Frage, mit welcher die Sendung bei COMPACT-TV überschrieben war („Wie weiter, AfD?“) wurde mit keinem Wort beantwortet. Ideen, Konzepte, Strategien? Fehlanzeige. Jens Maier lieferte eine absolut defensive und müde Vorstellung. Aller Versuche von Jürgen Elsässer und Martin Müller-Mertens, ihrem Gast klare und eindeutige Antworten zu entlocken, liefen ins Leere. Von Offensive keine Spur. Wenn das der „Flügel“ war, dann schadet es vielleicht nichts, wenn er weg ist. Leider.

 

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