Verpasst die AfD eine historische Chance?

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Darf man die öffentlich AfD kritisieren? Na klar, das gehört in einer Demokratie dazu. Man muss es sogar. Vor allem dann, wenn sich die Partei an einem Scheideweg befindet, zwischen einer das Land durchgreifend reformierenden und erneuernden Kraft einerseits oder einer das „Alte und Morsche“ (Scheidemann) weiter stabilisierenden Scheinopposition andererseits.

Die AfD-Spitze hat als Reaktion auf die Coronakrise ein Fünf-Punkte-Programm vorgelegt. Nichts darin ist unvernünftig oder gar falsch. Nur sind es eben Gemeinplätze, Forderungen, die man so oder ähnlich bereits von zahllosen Akteuren gehört hat: Rettungsschirm für leidende Unternehmen, Hilfen für Familien, zügiger Breitbandausbau, Sicherung der Lebensmittelversorgung u.s.f.

Hat die AfD in der wohl schwersten nationalen Krise seit 75 Jahren nicht mehr zu bieten? Denn genau für diesen geschichtlichen Moment ist sie im Grunde erschaffen worden: Wenn das bisherige ökonomische wie politische Herrschaftssystem am Ende ist, die Gelegenheit zu nutzen, um eine durchgreifende Erneuerung und Re-Demokratisierung unseres Landes voranzutreiben. Wann, wenn nicht jetzt?

Der Journalist und Autor Ernst Wolff sagte vor wenigen Tagen in einem Interview zur Coronakrise: „Das ist eine historische Gelegenheit, den Menschen klarzumachen, was eigentlich hinter den Kulissen läuft.“ Aufklärung wäre in der Tat ein erster Schritt, um im nächsten darauf basierende Veränderungen herbeizuführen. Leider hat sich die AfD in diesem geschichtlichen Moment in die Defensive drängen lassen.

Entweder die AfD hört auf, zu glauben, dass Anbiederei im Namen einer diffusen „staatspolitischen Verantwortung“ (Holm) den Gegner zu einer Abkehr von seiner feindseligen Haltung bewegen kann und geht endlich in den Angriffsmodus über, oder sie ist überflüssig. Wenn diese Krise im Sinne der Herrschenden vorüber ist, wird es auf sehr lange Sicht keine zweite Chance mehr geben. Dann wäre die AfD gescheitert.

 

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