Kassiber aus der Anstalt – Mein Wochenrückblick (15)

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I.

Jahrestag des Mauerbaus. Bundesgrüßaugust Frank-Walter Steinmeier erzählt den Ostdeutschen, warum sie 28 Jahre nach jenem 13. August 1961 den „Antifaschistischen Schutzwall“ geschleift haben. Sie wollten nämlich überhaupt keine Grenzen nirgendwo mehr und vor allem „in ein offenes Europa“, womit Steinmeier wohl die EU meint. Was Steinmeiers Partei, die SPD mit Honecker-Duzfreund Oskar Lafontaine vorneweg, damals jedenfalls nicht wollte, war die Wiedervereinigung. Und heute denken die Spezialdemokraten gerne mal über eine Fusion mit jener Partei nach, welche die Mauer einst baute. Soll niemand sagen, Geschichte hätte keinen Humor.

II.

Während Frank-Walter, der Spalter, über Mauern sinniert und mit von Sorgen durchfurchter Stirn demokratische Freiheiten in Gefahr sieht, erklärt BDI-Chef Dieter Kempf den Ostdeutschen gleich mal, wo sie bei den kommende Landtagswahlen gefälligst ihr Kreuz zu machen haben. Auf keinen Fall bei der AfD! Dann drohe nämlich der Untergang, weil keine Fachkräfte mehr kämen und Investoren ausblieben. Die lieben nämlich Standorte, wo arabische Clans ihr Unwesen treiben, Kinder vor Züge geworfen und Leute auf offener Straße mit einer Machete zerstückelt werden. Ohne AfD sollten derlei Zustände auch im Osten machbar sein. Kempf weiter, Dieter!

III.

Indessen hat der Staat endgültig festgelegt, mit wie vielen Kandidaten die Opposition an der kommenden Wahl teilnehmen darf: nämlich mit 30 statt der geplanten 61. Mehr als die Hälfte wurde also nicht zugelassen. Nein, wir reden nicht über Weißrussland, sondern von Sachsen.

IV.

Gar gruselige Dinge sollen sich die osteuropäischen Putzfrauen der SPD-Parteizentrale über ihren Arbeitsort im Berliner Wedding zuraunen. So habe die bronzene Willy-Brandt-Skulptur im Eingangsbereich in letzter Zeit des Nachts häufig Tränen vergossen. Nachdem bekannt wurde, dass Ralf Stegner und Gesine Schwan gemeinsam den Vorsitz der SPD übernehmen wollen, sei auch lautes Wehklagen in den Fluren des Gemäuers zu hören gewesen. Der Vatikan soll jetzt prüfen, ob ein Wunder vorliege und die SPD dann endlich heiliggesprochen werden könne. Letzteres geschieht freilich nur mit Toten. Aber da wird man bei den Sozen sicher nicht mehr lange warten müssen. Im Koma liegen sie ja schon.

V.

Erich Mielke im Herbst 1989 vor der Volkskammer der DDR. Er versteht die Welt nicht mehr. Da hat man sich vierzig Jahre abgerackert aus Liebe zu allen Menschen und erntet am Ende nur noch Hohn und Spott. Dieser undankbare Pöbel. So war er ja schon immer. Das findet auch Elfriede Handrick von der SPD und schimpft im ZDF über ihre Wähler: „Ich finde es nicht richtig, dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöten? Ich kann das nicht verstehen!“ Das hat auch Mielke nicht verstanden und war dann mal weg.

VI.

Mit irgendwelchen Sorgen und Nöten wollte sich auch Angela Merkel nicht beschäftigen müssen, als sie letzten Mittwoch im Stralsunder Ozeaneum zur Generalaudienz bat. Frisch erholt vom Urlaub auf einem Berghof im Vinschgau nahm sie huldvoll die Fragen zweier Hofberichterstatter der Ostsee-Zeitung entgegen. Doch dann geschah es! Ein AfD-Lokalpolitiker wagte es, der Kanzlerin vorzuhalten, Demokratie und Meinungsfreiheit hätten unter ihrer Herrschaft Schaden genommen und das Land sei gespalten. Natürlich wusste sie diese ungeheuerliche Insubordination sogleich angemessen zu kontern: Der Fragesteller dürfe schließlich ungehindert zu ihren Füßen sitzen und seine Meinung sagen. Das sei doch Beweis genug für Demokratie. Wie in einer solchen üblich überschlugen sich die Medien mit Lobeshymnen auf die Herrscherin, ihre unvergleichliche Schlagfertigkeit und die stupende Genialität ihrer Reaktion auf die Kritik eines frechen Untertanen. Gott sei Dank hatte Merkel in ihrer Alpenresidenz nicht nur Wagner gehört, sondern auch das Buch „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt gelesen.

VII.

Apropos Kritik an Merkel in Stralsund: Sie hat natürlich alles richtig gemacht. Keine Fehler, nichts zu bereuen. Was denn auch? Von Migranten getötete Deutsche? Geschenkt. Wie wusste schon Stalin: „Der Tod eines einzigen Menschen ist eine Tragödie, der Tod von Vielen nur eine Statistik.“ Und die kann man schönreden.

VIII.

Demokratie ist, wenn alle das gleiche wollen, wie die Amadeu-Antonio-Stiftung. Wer anders denkt, gehört in Acht und Bann geschlagen. So fordert es deren neue Handreichung in Bezug auf die AfD. Die Ächtung bedeutete im Mittelalter den Verlust des Rechtsschutzes durch den Staat. Man konnte also auf offener Straße erschlagen werden, ohne dass dem Täter irgendwelche strafrechtlichen Konsequenzen drohten. Ist das auch noch Demokratie? Mal die Kanzlerin fragen.

IX.

Kurz vor den heranrückenden Landtagswahlen hat Annegret Kramp-Karrenbauer noch rasch überlegt, wie man der CDU in Sachsen, Thüringen und Brandenburg etwas helfen kann. Und was ist dabei herausgekommen? Genau! Wir werfen einfach einen profilierten Querdenker wie Hans-Georg Maaßen aus der Partei. Das hat bei der SPD ja auch geklappt mit Sarrazin. Und die ist jetzt bei 12 Prozent. Klein aber rein. Chapeau!

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