Die kommunale Herausforderung, Teil 2 – Die Therapie

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In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung äußerte der in den USA lehrende schottische Historiker Niall Ferguson unlängst die These, dass der Kapitalismus am Ende des Kalten Krieges zwar ökonomisch triumphiert habe, der Sozialismus jedoch auf geistig-kulturellem Gebiet als Sieger gelten müsse: „Die Linken haben die Macht übernommen. Und sie, die sich in der Theorie für die Inklusion starkmachen, haben in der Praxis alle Andersdenkenden konsequent exkludiert.“ Wer sich allein in Deutschland umschaut, dürfte dieser Behauptung sicher zustimmen. Am Ende des ausgesprochen lesenswerten Gesprächs, das von einer deutschen Zeitung so wohl nie publiziert worden wäre, gibt sich Ferguson leider sehr fatalistisch, als könne man an diesem betrüblichen Zustand fürderhin nichts mehr ändern. Selbstverständlich ist das möglich und zwar, indem man die Linken mit ihren eigenen Waffen schlägt. Nachfolgend einige Anregungen, wie unsere Gesellschaft von der rotgrünen Hegemonie erfolgreich befreit werden kann.

1. Beschäftigung mit dem Gegner: Die Ideen der Linken sind eben keineswegs langweilig, wie Nicolás Gómez Dávila einst schrieb. Im Gegenteil ist professioneller Respekt vor dem Kontrahenten eine Grundvoraussetzungen für den eigenen Erfolg. Wer a priori davon ausgeht, es mit Dummköpfen oder Minderbemittelten zu tun zu haben, wird am Ende des Tages scheitern. Wir sollten uns also mit den Vordenkern der linken Bewegung eingehend beschäftigen, ihre Texte in Büchern und einschlägigen Zeitungen lesen, Strategien studieren, deren praktische Umsetzung auswerten und es ansonsten mit dem Apostel Paulus halten: „Prüfet alles und das Gute behaltet!“ In diesem Falle das für uns Nützliche.

2. Moralische Bedenken: Im Umgang mit ihren Gegnern scheuen die Linken buchstäblich vor nichts zurück. Moralische Bedenken sind ihnen in der Regel fremd. Sie haben keine Hemmungen, unsereins mit Rufmordkampagnen, Lügen und Verleumdungen zu überziehen, mit dem Ziel, die Existenzen ganzer Familien zu zerstören. Sogar Gewalt gegen das Eigentum Andersdenkender, ja sogar gegen diese selbst, gilt vielen Protagonisten des rotgrünen Milieus als probates Mittel der politischen Auseinandersetzung. So tief dürfen wir freilich niemals sinken. Die Maßgaben des Grundgesetzes und unserer Rechtsordnung sind die unveräußerlichen Leitplanken unseres Handelns. Hier verbietet sich jede Diskussion. Innerhalb dieses Spielraums aber ist sehr viel möglich. Häufig versagen wir uns jedoch den Einsatz durchaus legitimer Mittel aus einem falsch verstandenen Anstand heraus oder wegen moralischer Bedenken. Warum so schüchtern? Eine größere Flexibilität an dieser Stelle kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Gesetzestreue bedeutet keineswegs, dass wir uns nur mit Wattebäuschen wehren dürfen.

3. Vernunftgemäße Alternativen: Wer die durchaus vorhandene Sympathie vieler Menschen für linke Ideen durchbrechen will, sollte ihnen attraktive Gegenangebote machen können. Das ist einfacher als häufig gedacht und beginnt schon im Grundsätzlichen. Rotgrüne Politik braucht das Chaos und schafft es deshalb unter dem Deckmantel des angeblichen gesellschaftlichen Fortschritts. Gezielt eingesetztes Chaos hat zu allen Zeiten dem Machterhalt sozialistischer Herrschaftsstrukturen gedient, freilich um den Preis unzähliger Opfer. Dem steht das genuin konservative Versprechen von Stabilität, Sicherheit und Ordnung gegenüber. Individuelle Freiheit versus bevormundender Kollektivismus. Beispiele für diese These sind Legion. Man findet sie nicht nur in der Geschichte vor allem des 20. Jahrhunderts, sondern auch aktuell überall auf der Welt. Vergleichen Sie nur einmal Chile mit Venezuela.

4. Konstanter Druck auf den Gegner: Wer eine Attacke auf den linken Gegner startet, sollte sie als permanente Hintergrundmusik konzipieren und diese so lange und bei allen Gelegenheiten spielen, bis sie zum allgemeinen Ohrwurm geworden ist. Windräder töten Vögel, Islam bedeutet Unterwerfung, Merkel muss weg, der Euro zerstört Europa, Klimaschutz gefährdet unseren Wohlstand – kurze und knackige Botschaften, die in den sozialen Netzwerken, in Talkshows, im Radio sowie in sonstigen verfügbaren Medien wieder und wieder aufgegriffen werden, haben auf längere Sicht dieselbe Wirkung wie Werbespots für Produkte des Alltags. Das Geheimnis der Werbung besteht in der permanenten Wiederholung. Wer 99 Mal denselben Werbespot für ein Fertiggericht gesehen hat, wird nach dem 100. Mal losgehen und sich genau dieses Produkt kaufen. Wer 99 Mal irgendwo gehört hat, dass der Islam unsere Lebensweise bedroht, wird nach dem 100. Mal eine Partei wählen, die auf genau dieses Problem eine passende Antwort hat.

5. Die eigene Medizin verabreichen: Linke können ordentlich austeilen, sind aber unfähig, auch mal einzustecken. Halten wir ihnen den Spiegel vor! Linke plakatieren die Gesichter von „Rechten“ im Ort, um sie in aller Öffentlichkeit zu denunzieren? Schön, dann verteilen wir Flyer mit dem Konterfei rotgrüner Aktivisten und klären die Bürger über deren fragwürdige Weltanschauung auf. Linke protestieren gegen eine konservative Veranstaltungen? Gut, dann protestieren wir vor dem Peter-Weiss-Haus gegen politischen Extremismus. Linke demonstrieren gegen Islamophobie? Toll, dann stehen wir daneben und demonstrieren für die Rechte der Frau. Linke werfen uns demokratische Rechte in einen Topf mit Rechtsextremisten und Nazis? Sei´s drum, dann sind für uns ab sofort alle Linken eben Linksextremisten und Stalinisten. Das Meldeportal der AfD im Internet wider die ideologische Indoktrination an staatlichen Schulen ist ein genialer Schritt in exakt diese Richtung. Solche Aktionen zwingen die Linken allenthalben zu einer Verurteilung von derlei Praktiken, an die sie sich dann selbst halten müssen. Entsprechend groß war das Wutgeheul des rotgrünen Milieus.

6. Den Gegner zwingen, nach seinen eigenen Regeln zu handeln: Wasser predigen aber Wein trinken, ist das Charakteristikum beinahe aller Sozialisten. Die SED-Bonzen von einst sperrten ihre Untertanen hinter Mauer und Stacheldraht ein, gingen selbst aber im Westen shoppen. Das ist heute nicht anders. Linke wollen Flüchtlingsheime überall, nur nicht im eigenen Kiez zwischen Bioladen und Latte-Bar. Moscheen immer gerne, aber bitte nicht zwischen den Ökovillen der Nomenklatura. Die Malocher sollen auf ihr Auto verzichten, während Politiker in fetten Dienstlimousinen herumkutschiert werden. Ökoaktivisten wollen Inlandflüge verbieten, während die bayerische Obergrüne Katharina Schulze zum Eis schlecken nach Kalifornien jettet. Hier kann man diese ganze selbstgefällige Elite in ihrer frappierenden Widersprüchlichkeit vortrefflich packen und demaskieren.

7. Konservativ sein, soll Spaß machen: Die erfolgreichste politische Bewegung muss nicht notwendigerweise eine sein, die den Menschen dicke Wälzer mit programmatischen Schriften vorlegt. Das liest in aller Regel eh kaum jemand. Entscheidend ist vielmehr, dass ein attraktives Lebensgefühl vermittelt wird, welches die Menschen emotional für das Projekt einnimmt. Die Wirtschaft macht es vor. Marlboro beispielsweise gilt als erfolgreichste Zigarettenmarke der Welt. Dahinter wiederum steht die erfolgreichste Werbekampagne der Welt. Jeder kennt den Marlboro-Mann. Hier wird der potentielle Kunde freilich nicht mit Argumenten oder Fakten überzeugt, sondern ein Lebensgefühl transportiert: das Versprechen grenzenloser Freiheit. Der Marlboro-Raucher wird so für die Dauer einer Zigarettenlänge vom grauen Büroangestellten oder schwitzenden Fließbandarbeiter zum Marlboro-Mann, träumt sich auf den Rücken eines Pferdes und in die amerikanische Prärie hinein. Diese Emotionen binden ihn an genau diese Zigarettenmarke. Auch politische Bewegungen haben es zu allen Zeiten verstanden, sich so zu vermarkten, dass sie mit einem bestimmten Lebensgefühl in eins gesetzt werden. Viele Jahrzehnte war dies das Erfolgsrezept der CSU als Trägerin bayerischer Identität, mithin Laptop und Lederhosen. Auch das linke Spektrum will ein Lebensgefühl vermitteln und vermag das erstaunlich gut. Internationale Solidarität, bunte Vielfalt unterm Regenbogen, der idyllische Biobauernhöfe überspannt und ein friedvolles und gerechtes Paradieses verheißt – wer kann sich dem, zumindest für den Moment, entziehen? Welches Lebensgefühl kann der Konservatismus, kann die demokratische Rechte den Menschen bieten? Diese Herausforderung gilt es zu meistern auf dem Weg zur machtvollen und nachhaltig wirkenden Volksbewegung (und soll Thema einer späteren Betrachtung hier auf meiner Website sein).

Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich bei der Abfassung dieser sieben Thesen vom Vater des modernen linken Aktivismus habe inspirieren lassen. Saul Alinsky war ein Genie, obschon ein teuflisches. Wenn seine strategischen Konzepte für den Erfolg der politischen Linken so entscheidend und maßgeblich waren und noch sind, dann erscheint es mir gerechtfertigt, zu schauen, was davon wir in den Dienst unseres Kampfes für Freiheit und Demokratie stellen können. Es wäre doch sehr schade, wenn Niall Ferguson am Ende recht behielte und der Sozialismus tatsächlich siegreich bliebe.

 

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