Wider den Klimawahn – Zweite Aufklärung statt neues Mittelalter

Veröffentlicht am

Vor einige Jahren forderte der US-amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman eine zweite Aufklärung. In seinem gleichnamigen Buch beschrieb er die Erkenntnisse des 18. Jahrhunderts als Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Der Mann starb 2003, was ihn gewissermaßen davor bewahrte, miterleben zu müssen, dass die zurzeit herrschenden Eliten ihr Heil offenkundig in einer Wiederbelebung des Mittelalters sehen. Das wäre an sich kein Problem, würden sie den Rest der Menschheit damit verschonen und ihre modernitätsfeindlichen Triebe in Freizeitparks oder auf einsamen Burgruinen ausleben. Stattdessen werden jedoch 83 Millionen Menschen, welche Stand heute die Bundesrepublik bevölkern, in Mithaftung genommen für ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Großexperiment mit höchst ungewissem Ausgang.

Einer Gesellschaft, die sich den Errungenschaften der Aufklärung verpflichtet fühlte, würde beispielsweise keinen Kampf gegen den Hass führen. „Nicht zuletzt ist die moralisierende Wahrnehmung von Gefühlen voraufklärerisch“, schreibt der Philosoph Johannes Thumfart in der linken Zeitung Junge Welt. „Im Mittelalter hatten Gedanken und Gefühle gottgefällig zu sein. Erst die Aufklärung machte Selbstinteresse und eben auch Hass als unschönen, aber nicht zu leugnenden Teil des Menschen diskursfähig – und damit zu etwas, das sich zivilisatorisch managen lässt.“ Hinter all das fällt Deutschland zurück, wenn der Staat und seine Institutionen darangehen, die Gedanken- und Gefühlswelt der Bürger paternalistisch zu regulieren. Diesen Rückschritt als progressiven Akt zu feiern, entspricht dem Geist der Zeit, welcher von einer Umwertung der Werte und Orwellschem Neusprech geprägt ist.

Ein voraufklärerischer Zeitgeist kommt selbstredend nicht ohne Religiosität aus, deren Anbetungsgegenstand jedoch kein Gott oder Schöpfer, kein Prophet oder Erlöser ist, sondern das Weltklima. Folgerichtig sind Zweifel am Klimawandel inzwischen geächtet wie weiland die Gotteslästerung. Der Christengott hingegen hat sich disqualifiziert, seit er Hitler an die Macht kommen ließ und den Holocaust nicht verhinderte (an die Theodizee-Problematik wollen wir hier besser nicht rühren). Im Namen des Weltklimas jedoch wurden weder Ureinwohner auf neu entdeckten Kontinenten ausgerottet, noch Kinder in finsteren Klosterschulen missbraucht oder sonst schlimme Dinge angerichtet. Außerdem ist das Klima weder männlich noch weiblich, geschlechtsneutral also und dementsprechend perfekt geeignet für die infantile Glaubenspraxis geistig ausgezehrter Wohlstandskinder in einem Europa, dessen Völker beschlossen zu haben scheinen, sich selbst umzubringen, wie die des Lebens überdrüssigen Millionäre in dem bizarren Film „Das große Fressen“.

Besonders das von seiner Energiewende und der tödlichen Bedrohung durch Feinstaubpartikel als einer Art religiösem Wahn ergriffene Deutschland erinnert weniger an einen modernen Staat, denn an die Sektenkolonie von Jim Jones im Urwald Guyanas, wo im November 1978 mehr als 900 Menschen aus Angst vor der Zukunft gemeinschaftlichen Selbstmord begingen. Es kann rational nicht erklärt werden, dass ein Land, dessen Anteil am globalen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß kaum mehr als 2 Prozent beträgt, seine ökonomischen Grundlagen zerstört, weil es glaubt, damit das Weltklima zu retten. Offensichtlich geht es den Verfechtern der sogenannten Energiewende gar nicht um spürbare Auswirkungen auf das Klima, sondern um ein ganz individuelles Wohlgefühl, das aus der Einbildung einer moralischen Überlegenheit  entspringt. Religiosität muss sich nicht rechnen, sonst wären die allermeisten Tempel, Kirchen und wer weiß was noch für Heiligtümer nie errichtet worden. Und natürlich ist auch der Götzendienst um den Klimawandel zumindest nach wirtschaftlichen wie ökologischen Gesichtspunkten ein absoluter Fehlschlag. Trotzdem die Regierenden bis anhin weit mehr als 240 Milliarden Euro für die Energiewende verschleudert haben, konstatierte der Bundesrechnungshof unlängst, dass die „Klimaziele“ nicht erreicht worden sind. Der CO²-Ausstoß ist nicht verringert worden, der Stromverbrauch nicht gesunken und die Energieproduktivität konnte nicht erhöht werden.

Ungeachtet dessen kommt demnächst der Kohleausstieg. Während derzeit weltweit 1.400 Kohlekraftwerke neu gebaut werden, will Deutschland seine 30 hochmodernen Kohlekraftwerke in den nächsten Jahren stilllegen. Die schon heute beinahe weltweit höchsten Strompreise werden parallel dazu noch weiter ansteigen. Für die Wirtschaft eine Katastrophe, für die Privathaushalte und somit den sozialen Frieden aber auch. Hunderttausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Pegel (SPD) sieht das zwar auch, will die Folgen gleichwohl sozialpolitisch in den Griff bekommen. Ein typischer Gesinnungsethiker, dem die Folgen seiner Politik gleichgültig sind, solange die moralische Komponente kurzfristig stimmt. Wie unser Sozialsystem diese und anderen Herausforderungen stemmen soll, wenn die Steuereinnahmen dereinst nicht mehr so reichlich sprudeln wie ehedem, bleibt sozialdemokratisches Betriebsgeheimnis. Die sogenannte Kohlekommission glaubt allen Ernstes, in der Energiewirtschaft wegfallende Arbeitsplätze durch die Ansiedlung von Bundesbehörden in vormaligen Braunkohleabbaugebieten kompensieren zu können. Nur sind Behörden keine Werte schöpfenden Unternehmen, sondern leben ihrerseits ebenfalls von Steuergeldern.

Dieser ganze Wahnsinn wäre freilich unvollkommen ohne die Inanspruchnahme von Kindern und Jugendlichen für die Devastierung von deren eigener Zukunft. Im Mittelalter waren die Hirtenburschen Stefan von Cloyes und Nikolaus von Köln die Inspiratoren der Kinderkreuzzüge, in deren Verlauf Tausende Jungen und Mädchen von religiöser Verzückung erfasst ins sichere Verderben marschierten. Heute ist Greta Thunberg die Ikone der Bewegung. Mit psychotischem Gesichtsausdruck redet die minderjährige Schwedin sogar vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit dreister Arroganz von Dingen, die sie kaum begreifen, geschweige denn überblicken dürfte. Ihr folgen quer durch Europa und inzwischen selbst in Mecklenburg-Vorpommern zahllose Schüler, um freitäglich den regulären Unterricht zu schwänzen und für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Von den Lehrern ist Kritik oder gar Widerstand kaum zu erwarten. Ein Gymnasiast aus Ludwigslust hat indes für übermorgen eine Schülerkundgebung vor dem Schweriner Schloss angekündigt. Man wolle einen noch schnelleren Kohleausstieg fordern und „nicht für eine Welt lernen, die bald nicht mehr existiert“.

Die Frage am Ende bleibt: Wer erzählt den Kindern und Jugendlichen solchen Mumpitz? Wer ist dafür verantwortlich, dass Schüler nachgerade wahnhaft zu glauben scheinen, es hätte keinen Sinn mehr zur Schule zu gehen, alldieweil die Welt ohnehin bald untergeht? Wer trägt die Schuld daran, wenn unser Volk in einer Aufwallung neuzeitlichen Flagellantentums die Grundlagen seines eigenen in Jahrzehnten gewachsenen Wohlstandes zerstört, weil es mehrheitlich überzeugt davon ist, damit die Erde retten zu können, obwohl alles das auf unser globales Klima nachweislich nicht die geringsten Auswirkungen hat? Es sind Leute, die selbst dann über ein üppiges Einkommen verfügen dürften, wenn die letzte deutsche Autofabrik geschlossen haben wird und Tausende arbeitslose Braunkohlekumpel am Rande ihrer Tagebaue stehen, um darauf zu warten, dass tief da unten eine Bundesbehörde ihre Pforten öffnet, in welcher sie dann arbeiten können. Es ist dieselbe Art von Schreibtischtätern, die noch im Frühjahr 1945 Kinder und Jugendliche an die Front in den Tod schickte, um den eigenen Traum von einer aus ihrer Sicht idealen Welt ein paar Wochen länger träumen zu können.

Auch im Angesicht alltäglicher Tollheit müssen wir nicht entmutigt den Kopf hängen lassen. Man stelle sich Martin Luther vor, der miterlebte, wie zynische Priester den Menschen die letzten Groschen aus der Tasche zogen für völlig sinn- und wertlose Ablassbriefe. Der Wahnsinn schien übermächtig. Und doch legte die Reformation den Grundstein für die Aufklärung zwei Jahrhunderte später. Womit wir wieder bei Neil Postman wären und seiner Forderung nach einer zweiten Aufklärung. Diese wird dringend gebraucht. Sie sollte dafür kämpfen, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt aller Betrachtungen gerückt wird und zwar anstelle ideologischer Wahnideen im Dienste skrupelloser Gesinnungsethiker. Aufklärungsarbeit bedeutet freilich Bildungsarbeit und da gibt es in unserem Teil des politischen Spektrums noch viel zu tun. Packen wir es an!

 

Unterstützen Sie die Bildungs- und Beratungsarbeit im Torhaus Güstrow. Vielen Dank!





Wir sollten in Kontakt bleiben! Jetzt Newsletter abonnieren!

Teilen Sie diesen Beitrag:

Ein Gedanke zu „Wider den Klimawahn – Zweite Aufklärung statt neues Mittelalter

  1. Hallo Holger.
    Über die Schweden brauchen wir uns nicht unterhalten. Sie würden in ihrer „Gutmenschlichkeit“ sogar Selbstmord begehen, wenn es nur der Welt „hilft“. Und genau genommen tun sie als Nation das auch schon. Nämlich seit dem Zeitpunkt, als sie dem großen Olof Palme zujubelten wie er ihnen erklärte, daß Schweden keine eigene Kultur hätte und sie unbedingt mit dem Islam bereichert werden müßten. Es mußte aber alternativlos der Islam sein, andere Kulturen können aus Sicht gewisser Politiker nicht bereichern. Auch die dortige Zustimmung zur die Bargeldabschaffung spricht Bände…
    Die Leute in ihrer Unwissenheit (das Ergebnis jahrelanger Verblödung durch Medien und „Bildungs“wesen – trotz aller Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung durch moderne Medien) glauben jeden Mist und fürchten sich vor Sachen, die völlig unwesentlich für das Weiterbestehen der Menschheit sind. Wer nichts weiß, muß eben alles glauben. Aber das „Kalifat Europa“ kommt mit Sicherheit, wenn wir nichts dagegen tun; den nächsten Meteoriten und einen großen Vulkanausbruch können wir sowieso kaum oder gar nicht aufhalten. Dann wissen die wenigen Überlebenden, was ECHTE PROBLEME sind. Und daß es z.B. völlig egal ist ob ich pflanzliche Nahrung bekomme, die noch niemals Berührung mit einem tierischen Lebewesen hatte oder ob die Welttemperatur um geschätzte 0,9 K in 100 Jahren geschwankt hatte (vor 100 Jahren wurden in der großen Wetterküche der Erde, im Südpolargebiet, noch gar keine meteorologischen Messungen durchgeführt, also sind die Angaben zum Weltklima vor 100 Jahren vollkommen irrelelvant).
    Jeder Mensch, der das eigenständige kritische Denken noch nicht aufgegeben hat, sollte sich fragen, warum sich seit der Entstehung der Atmosphäre das Klima ständig wandelt. Zumindest für die letzten 750.000 Jahren ist der ständige Wechsel von Kalt- und Warmzeiten belegt. Vor über 400 Mio Jahren soll der CO2-Gehalt in der Atmosphäre 20-fach so hoch wie heute gewesen sein – es herrschte am Äquator ein gemäßigt warmes Wetter und die Korallen im Meer gediehen nachweislich prächtig. Es gab keine „Übersäuerung der Meere“.
    Ich habe den Eindruck, daß Europa nur immer neue Vorwände sucht, sich islamisieren, deindustrialisieren und deenergetisieren zu lassen, also sich faktisch aufzugeben. In welchem Auftrage auch immer. Die „Energiewende“ ist genauso wie die Islamisierung West- und Nordeuropas ein weiterer Sargnagel unserer europäischen Zivilisation. Das Ende der Steinkohlenförderung (die Braunkohle ist auch schon lange im Visier der Zerstörer…) nimmt Deutschland ein entscheidendes Stück der energetischen und rohstofflichen Unabhängigkeit. Die Kohlevorkommen der Welt reichen bei steigendem Verbrauch aus, um die Menschheit bis ins 4. Jahrtausend (Pätz/Rascher/Seifert: „Kohle – ein Kapitel aus dem Tagebuch der Erde“; Teubner Verlagsgesellschaft Leipzig 1989) gut zu versorgen. Der deutsche Kohleausstieg hingegen erinnert mich an eine Familie, die ein neues Haus bauen will und das alte zum Herbst abreißt, ohne sich überhaupt Gedanken über ein Winterquartier und die Finanzierung des neuen Hauses gemacht oder einen Bauantrag gestellt zu haben. West- und Nordeuropa ist m.E. eine riesige Ansammlung von Idioten (oder Fremdgesteuerten) auf allen Ebenen.
    Meine Hoffnung auf Änderung dieses Zustandes geht inzwischen gegen Null. Die Menschen gehen erst (und dann heutzutage wohl gegen die Falschen) auf die Straßen, wenn ihnen ein noch „besseres“ Leben versprochen wird: Bedingungsloses Grundeinkommen („niieee wieder arbeiten!!!“), mehr Konsum, mehr Smartphones, mehr „Digitalisierung“; was auch immer (siehe 1989 „Keinem wird es schlechter gehen!“). Arbeit hat unsere Vorfahren von den Bäumen geholt, die derzeitige Politik treibt sie wieder dorthin zurück. Auch ein Äffchen kann bekanntlich das Schlittschuhlaufen lernen und auf einem Smartphone herumtippen. Aber – muß das wirklich sein?? Wer die Jugend auf seiner Seite hat, dem gehört die Zukunft. Wer die Jugend gekauft hat, auch der hat für die Zukunft vorgesorgt. Für welche auch immer.
    Anderenfalls werden die Menschen erst aktiv, wenn bereits das dritte Kind in den Brunnen gefallen UND ertrunken ist: Dann wird ganz schnell der Brunnen zugeschüttet. „Irgendetwas“ müssen wir ja tun… So war es schon immer. Kaum jemand erkennt die verhängnisvollen derzeitigen Entwicklungen und fragt sich, woher das ganze Geld kommt, das derzeitig für angebliche Integrationsversuche und Islamisierung, für Gender-Studien, arbeitsunwillige junge linksradikale Randalierer ohne Ausbildung und eigenes Einkommen und für die aktuellen Infrastrukturmaßnahmen des Bundes ausgegeben wird. Vor dem Merkel-Putsch 2016 waren die öffentlichen Kassen doch angeblich leer, und an den Niedrigzinsen (als angebliche Ursache für die „Geldschwemme“ des Staates) kann es wohl kaum liegen, denn die Niedrigzinspolitik hat unseren Kapitaldienst schon vorher bestimmt. Die Islamisierung unserer Heimat war der deutschen Bundesregierung im Jahr 2017 ca. 55 Mrd. € „wert“…
    Herzliche Grüße,
    Frederik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.