Schatten der Geschichte – Vor 100 Jahren ließ SPD-Führung Liebknecht und Luxemburg ermorden

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Es war gut, dass mit dem als „Spartakusaufstand“ heroisierten Generalstreik und den damit verbundenen bewaffneten Kämpfen die Novemberrevolution zu Beginn des Jahres 1919 sukzessive ein erfolgloses Ende fand. Deren Ziel war letztlich keine Demokratie, sondern ein kommunistischer Rätestaat nach russischem Vorbild. Die brutale Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar vor 100 Jahren offenbarte jedoch eine dunkle, nämlich die totalitäre Seite der seinerzeit inzwischen regierenden SPD, zu welcher sie gegenwärtig wieder zurückzufinden scheint.

Die Sozialdemokratie gilt bis heute als das Rückgrat der Weimarer Republik, der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Die am Ende der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts um ihr Überleben kämpfende SPD wird folgerichtig nicht müde, diesen Umstand mitsamt einiger unbestrittener Verdienste um unsere Nation wieder und wieder zu betonen, die Notwendigkeit ihrer weiteren Existenz also mit einer großen Vergangenheit zu rechtfertigen. Letztere jedoch hat auch tiefdunkle Flecken, auf die hinzuweisen der 100. Jahrestag von Liebknechts und Luxemburgs Ermordung eine passende Gelegenheit ist.

Freilich waren es, gelinde ausgedrückt, turbulente Zeiten, die Monate um den Jahreswechsel 1918/19. In Versailles verhandelte man die für das Deutsche Reich wenig rosigen Konsequenzen aus dem Weltkrieg. Der Kaiser hatte sich in die Niederlande absetzen können und seine politischen Erbwalter sahen sich Hungersnöten, Armut und wirtschaftlichem Niedergang gegenüber. Dass sich in dieser äußerst gärigen Gemengelage allmählich so etwas wie eine Demokratie herausbilden konnte, grenzt in der Rückschau an ein Wunder. Nicht einmal führende Sozialdemokraten selbst wollten das. Die hatten passenderweise gerade den Begriff der „Volksgemeinschaft“ erfunden, der später von den Nationalsozialisten dankbar aufgegriffen wurde. Noch im September 1918 konnte Max von Baden, der letzte Reichskanzler der Monarchie, aus dem Munde seines Nachfolgers Friedrich Ebert von der SPD hören: „Das deutsche Volk ist nicht reif für eine Republik!“

Getrieben von den Kommunisten, die den großen revolutionären Sprung nach vorn wollten, einerseits und den kaisertreuen Monarchisten mitsamt Reichswehr und Freikorps, die für eine Restauration der ins Rutschen gekommenen alten Ordnung standen, andererseits, paktierten Ebert & Co. mit letzteren, um ihre eigene soeben erlangte Macht zu sichern. Dafür war man seitens der SPD bereit, sich die Hände nicht nur schmutzig zu machen, sondern mit Blut zu besudeln. Passenderweise konstatierte deren Reichswehrminister Gustav Noske: „Einer muss der Bluthund sein. Ich scheue die Verantwortung nicht.“ Eben dieser Mann war mit Unterstützung des Militärs als künftiger Diktator des Deutschen Reiches vorgesehen. Derlei Pläne erschienen am Ende selbst Ebert etwas unheimlich, der sie zu Noskes Verdruss als der eigenen Parteibasis nicht vermittelbar zurückzog.

Am Abend des 15. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die Führer des Spartakusbundes und Mitinitianten der soeben gegründeten KPD, in der Mannheimer Straße in Berlin-Wilmersdorf von einer Bürgerwehr gefangengenommen und ins Hotel Eden, Ecke Budapester Straße/Kurfürstenstraße, verbracht. Dort kam Hauptmann Waldemar Pabst, Kommandeur der Garde-Kavallerie-Schützen-Division, recht bald der Gedanke, die beiden linksradikalen Politiker „zu erledigen“. Der Freikorpsführer wagte die Umsetzung dieses Vorhabens gleichwohl nicht ohne vorherige Billigung von ganz oben und telefonierte mit Noske. Dieser wiederum erteilte, mit Reichspräsident Ebert im Hintergrund, sein volles Einverständnis. Wenig später wurde eine offiziell unbekannte männliche Leiche in der Rettungswache direkt gegenüber des Hotels Eden abgeliefert und ein lebloser weiblicher Körper an der Lichtensteinbrücke in den Landwehrkanal geworfen.

Man kann über die so zu ihrem Ende gekommenen Revolutionsführer denken, was man will, aber das war ein Meuchelmord ohne auch nur den Hauch einer rechtlichen Grundlage. Im Januar 1919 galt das während der Kriegszeit verhängte und auch nur sehr selten angewendete Standrecht längst nicht mehr, und seinen berüchtigten Schießbefehl würde Reichswehrminister Noske erst im März des Jahres unterzeichnen. Eben jener brachte wenige Monate später noch mehr Blut an die Hände der SPD. Aus reinem Machtkalkül, dem die Erkenntnis zugrunde lag, dass man es sich um keinen Preis mit der Reichswehr verscherzen dürfe, wenn man schon die Arbeiter verprellt hatte, unterschrieb Möchtegern-Diktator Noske schließlich einen Befehl, demgemäß jeder rücksichtslos erschossen werden konnte, der auch nur in den Verdacht geriet, ein Aufrührer zu sein. In der Folge sind in Berlin, München, Hamburg, im Ruhrgebiet und anderswo Tausende Menschen umgebracht worden, auch Frauen, Jugendliche und Kinder.

Mag sein, dass den führenden Sozialdemokraten jener Zeit in einer für Deutschland durchaus existenzbedrohenden Situation der Zweck die Mittel zu heiligen schien. Vor dem Gericht der geschichtlichen Bewertung kann diese Begründung jedoch kaum geltend gemacht werden. Wie viele politische Verbrecher dürften sich dann allenthalben herausreden mit dem Verweis auf die hehren Ziele des einstweilen blutigen Kampfes? Dies umso weniger – und hier schließt sich der Kreis – als die SPD fürderhin nicht viel gelernt zu haben scheint und der totalitären Versuchung erneut nur allzu gerne nachgibt. Von der durch führende Sozialdemokraten gebilligten Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg sowie dem präfaschistischen Schießbefehl Gustav Noskes führt eine direkte Linie zu den Gewaltaufrufen Ralf Stegners gegen Andersdenkende im Internet, der Volksverachtung von Sigmar „Das Pack“ Gabriel und den Zensurgesetzen des Heiko Maas gute einhundert Jahre später. Wohl dem Volke also, das die Geschichte nicht aus den Augen verliert, allerdings die ganze, die vollständige Geschichte.

 

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