Warum ich aus der Kirche ausgetreten bin

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Der Sinn der Kirche ist es, Jesus Christus als Sohn Gottes und Erlöser der Welt zu bezeugen sowie die Menschen auf ihrem Wege hin zum Seelenheil zu begleiten. So ungefähr hat Papst Franziskus es vor einigen Jahren ausgedrückt. Letztlich kann man die Essenz allen christlichen Glaubens auf diese eine Aussage des Heilands herunterbrechen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes 14:6)

Wird eine Kirche diesem Anspruch gerecht, deren höchste Repräsentanten mitten in Jerusalem, unweit jener Orte, wo Christus litt und gekreuzigt wurde, ihr Amtskreuz unter der Soutane verbergen, um muslimische Würdenträger nicht zu verprellen? Wir hörten förmlich den Hahn krähen angesichts solcher bizarren Szenen (Matthäus 26: 69-75). Man könnte jenen Bischöfen derlei Verhalten freilich nachsehen, angesichts der Tatsache, dass auch in früheren Zeiten das Christentum von Personen repräsentiert wurde, die alles andere als perfekt waren. Weder die größten Wüstlinge auf dem Papstthron, noch die fragwürdigsten Protagonisten der Reformation vermochten dem Werk des Herrn dauerhaften Schaden zuzufügen. Eher trugen sie häufig ungewollt zu dessen Fortschritt bei.

Für sie wie für uns alle galt und gilt die Feststellung des Paulus: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“ (Römer 3:23) Wer diese Worte recht bedenkt und ernst nimmt, der handelt jedoch anders als jene Kirche, aus der ich nunmehr ausgetreten bin. Und so kommen wir dann geradewegs zu den Gründen für meinen Entschluss, der mir selbstredend nicht leichtfiel.

Da ist die Aussage des evangelisch-lutherischen Bischofs von Berlin-Brandenburg, Markus Dröge (und anderer Kirchenfunktionäre nach ihm), dass „Christen in der AfD nichts verloren haben“, mithin also AfD-Mitglieder keine Mitglieder der Kirche sein können. Hier materialisiert sich die Warnung des Apostels Paulus im 2. Brief an die Thessalonicher: „Lasset euch niemand verführen in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, das Kind des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt sich aus, er sei Gott.“

Es hat also ein Landesbischof mal eben nicht weniger getan, als eine Gruppe von Menschen vom Heil auszuschließen. Er hat sich auf den Thron Gottes gesetzt und das Jüngste Gericht auf den Dezember 2016 vorverlegt. Diese Anmaßung ist so grotesk wie ungeheuerlich. Statt in einer tatsächlich gespaltenen Gesellschaft die Menschen am Tisch des Herrn zusammenzuführen, um über die Brücke des gemeinsamen Glaubens wenigstens einen rudimentären Dialog zu stiften, wird Millionen Menschen (wenn man die Wähler der AfD mit einbezieht) das Christsein kurzerhand abgesprochen. Dies ist fürderhin ein Rückfall ins Mittelalter, als Kirchenfürsten ihnen nicht genehme Menschen in Acht und Bann schlugen, ihnen den Weg in den Himmel also schon per irdischem Dekret vorzuenthalten suchten.

Ja, ich bin ein Sünder allzumal. Aber was tut die Kirche denn, um ihrem göttlichen Auftrag gerecht zu werden, ergo mich und andere von ihrem vermeintlichen Irrweg wieder auf den rechten Pfad zu geleiten? Was hat eben diese verurteilende und richtende Kirche jemals anderes gemacht als eben das, nämlich in einer unfassbaren Selbstgerechtigkeit und moralischen Hoffahrt andere Menschen auszugrenzen und ihnen die Tür zu weisen? Wie soll man mit einer solchen Kirche ein besserer Christ werden?

Eine solche Kirche ist nicht Gottes und deswegen bin ich ausgetreten.

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