Nicht von dieser Welt

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Von der unglückseligen französischen Königin Marie Antoinette ist ein Ausspruch überliefert, der während einer Hungersnot getätigt worden sein soll: „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.“ Obwohl die Monarchin diesen Satz nachweislich nie gesagt hat, galt er am Vorabend der französischen Revolution als Beweis für die entrückte Bürgerferne der damals Herrschenden, die weit weg von der unerquicklichen Realität ihre Tage im Paralleluniversum von Versailles verbrachten. Geschichte freilich wiederholt sich nicht, doch gibt es hin und wieder verblüffende Ähnlichkeiten mit Situationen aus längst vergangenen Epochen. Als ich unlängst im Schweriner Schlossgarten das Sommerfest der Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) besuchte, kam mir unwillkürlich der Gedanke, dass eine vergleichbare Veranstaltung zur Zeit der Großherzöge von Mecklenburg wohl ähnlich abgelaufen sein muss. Im opulenten Rahmen tummeln sich jene, die als unmittelbare Nutznießer des Systems betrachtet werden können. Es sind die Chefs aller möglichen Vereine, der Gewerkschaften, Kirchenfunktionäre, die Bosse der Wirtschaftsverbände, kurzum alle, die am Fördermitteltropf des Staates hängen, auf seine Gunst angewiesen sind und sich diese erkaufen durch Kriecherei vor den etablierten Parteien, welche das Füllhorn obrigkeitlicher Wohltaten unter ihrer Kontrolle haben.

In diesem dekadenten Morast gedeihen Vorfälle wie solche, welche uns seit einigen Tagen beschäftigen. Eine 53-jährige Staatssekretärin wird von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in den einstweiligen Ruhestand versetzt, um Platz zu machen für eine langjährige Freundin der Regierungschefin. Die unfreiwillige Pensionärin bekommt fortan rund 8.000 Euro jeden Monat, bis sie das gesetzliche Rentenalter erreicht hat – fürs Nichtstun. Joachim Gauck, dieses Paradebeispiel eines heuchlerischen Pfaffen, erhält nach 5 Jahren mit seiner Konkubine im Schloss Bellevue nicht nur den jährlichen Ehrensold eines Ex-Bundespräsidenten in Höhe von 236.000 Euro, sondern auch noch 385.000 Euro an Personalkosten für fünf Mitarbeiter. Ferner ließ er sich seine weitläufigen Räumlichkeiten in einer Liegenschaft des Bundestages für mehrere Zehntausend Euro exquisit umbauen, inklusive Sicherheitsklo für 56.000 Euro. Die 26.000 Euro, welche Präsident Macron der französischen Staatskasse pro Quartal für sein Make-up in Rechnung stellt, muten neben den Gebaren deutscher Politiker beinahe wie eine Kleingkeit an. Blanker Hohn ist es zumal, wenn ausgerechnet die SPD angesichts solcher Enthüllungen im Bundestagswahlkampf ständig von sozialer Gerechtigkeit schwadroniert. Doch auch Bundeskanzlerin Merkel scheint mit dem Land, „in dem wir gut und gerne leben“, in erster Linie das Paralleluniversum ihrer Günstlinge zu meinen.

 

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